E1 von Göteborg zum Nordkap

91. Tag 27.7.22 von Sivertgåden nach Stekvasselv

In der Nacht wurde ich vom Regen und stürmischem Wind geweckt. Das Zelt stand allerdings recht geschützt und ich konnte schon noch wieder weiterschlafen. Leider war um 6 Uhr immer noch keine Besserung eingetreten und ich begann schon zu überlegen ob es überhaupt sinnvoll ist heute zu wandern. Es geht ja jedes Mal hinauf auf die Berge und da weht es ja sowieso deutlich stärker. Also beschloss ich erst mal noch liegen zu bleiben. Die Bäuerin hatte gestern behauptet es würde heute trockenes Wetter geben. Ich habe ja seit Tagen kein Netzempfang bzw vielleicht am Zielort an einer bestimmten Stelle schwachen und dadurch keine aktuellen Daten. Um sieben hat es dann wenigstens das Regnen aufgehört und ich begann zusammen zu packen und zu frühstücken. Ab und zu zeigte sich sogar ein winziges Stück blauer Himmel und so hoffte ich der Wind würde auch abflauen.

Der Rückblick zum See

Das mit dem Abflauen wurde nichts. Oben stürmte es das ich nicht gerade stehen konnte. Aber jetzt war ich halt auch schon oben da konnte ich auch weitergehen. Das einzig gute war am Anfang, es regnete nicht. So gab es auch schöne Aussichten. Wie gesagt die Bilder täuschen. Mehr als 2 Grad dürfte es nicht gehabt haben.

Der Regenbogen zeigt es, da vorne regnet es

Dann wehte der Wind doch wieder tief liegende nasse Wolkenschwaden heran und es war Schluss mit der Fernsicht. Hin und wieder gab es Windschatten, aber im Normalfall war Sturm und wenn das im Tal so ersichtlich gewesen wäre, wäre ich nicht aufgebrochen. So langsam bin ich ja in Nordnorwegen angekommen und da liegt auf 800 Meter noch jede Menge Schnee. Eigentlich war die Landschaft wunderschön und bei ruhigem sonningen Wetter bestimmt unvergesslich. So marschierte ich mit eingezogenen Kopf, stark vermummt mit angezogenen Handschuhen und meine Stöcke immer fest im Griff durch die Berge. Ohne Stöcke hätte ich auf gar keinen Fall unterwegs sein können, die waren fürs Gleichgewicht halten heute unerlässlich.

Diese Querung war schon schwieriger.

Das Wasser läuft mit einem solchem Getöse zu Tal, das ist Respekt einflößend und vermittelt mehr Schwierigkeit als es dann wirklich ist.

Durch diesen Dschungel ging es bergab
Hält besser als es den Anschein hat

Eigentlich war auch hier die Hütte ausgebucht, denn ich hatte vor drei Tagen schon angefragt. Ich bekam das Angebot im Garten zu zelten und die Dusche im Haus benutzen zu dürfen. Aber bis ich ankam hatten sie es sich anders überlegt und ich erhielt das Gästezimmer im Wohnhaus. Ich wurde vom Herrn des Hauses noch mit Spiegeleier, Knäckebrot, Butter und Saft verwöhnt. Er aß auch noch mit mir mit und fuhr dann zu seiner Frau zu ukrainischen Flüchtlingen die sie betreuen und ich habe ihr Wohnhaus ganz für mich allein. Was für ein Vertrauensbeweis.

Ich bekam auch noch für später eine regionale Spezialität hingestellt. Übersetzt heißt das Gebäck Kammkuchen. Ist so eine Art Fladen der direkt auf Feuer gebacken wird. Ich soll mich noch aus dem Kühlschrank mit Käse dazu bedienen und der scheinbar unerlässliche Nescaffe für abends wurde auch bereit gestellt. Ein paar Äpfel gehören mir auch noch. Also ich kann nicht jammern und die Freude ist groß bei so einem Verwöhnprogramm. Ein wenig hatte ich den ganzen Tag drauf gehofft nicht draußen im Zelt bei diesem Wind und den kalten Temperaturen schlafen zu müssen, aber solche Überraschungen sind doch das Schönste.

Kammkuchen
Der Blick aus dem Fenster am Esstisch, Das Thermometer zeigt 5°C an

Wir unterhielten uns noch ein bisschen und über meine Klage zwecks dem vielen Regen, meinte er ganz trocken das wären keine Schwierigkeiten sondern eine Challenge. Da musste ich dann sogar lachen und so betrachtet, stellen sich die Unannehmlichkeiten ganz anders dar. Ich habe mir vorgenommen jetzt öfter an diesen Satz zu denken wenn ich mal wieder mit den schlechten Bedingungen hadere.

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