Europ. Fernwanderweg E1

97. Tag von Lugano nach Como

Der letzte Tag einer langen Reise. Er beginnt mit Ärger. Ich muss mit dem Schiff von Lugano aus nach Bruno Funiva übersetzten. Der eigentlich sehr nette Herr von der Schifffahrtsgesellschaft, verkauft mir voll Stolz eine kombinierte Fahrkarte für das Schiff und die Seilbahn. Zum Abschluß der Wanderung will ich den Berg vom See weg mit der Seilbahn rauffahren. Denn der Tag wird extrem heiß und die Strecke ist mit 30km lang und bergig. Der Kontrolleur spricht noch mit mir über die Reise und einmal Seilbahn….Dann stehe ich am Ufer und bei der Seilbahn steht ein großes Schild

Nur Mittwoch bis Sonntag in Betrieb.

Auf dieser Station kein Ansprechpartner so stiefel ich verärgert los und weiß, der Tag wird noch länger und anstrengender als sowieso schon.

Dank der Wasserstellen die es hier im Süden oft gibt, geht mir das Trinkwasser nicht aus und das benötige ich in rauen Mengen. In Mendrisio, der letzten großen Stadt in der Schweiz führt der Weg nur durch das Industriegebiet. Grauenvoll! Der Industriebahnhof wird umgebaut und die geplante Unterquerung kann ich nicht benutzen. Also ein Umweg von mehr als einem km, ich muss eine andere nehmen. Die nächste ist nur für Autofahrer gedacht und ich lege einen Spurt hin damit ich in einer Verkehrspause unbeschadet durchkomme. Danach verläuft der Weg durch ein schattiges renaturiertes Flußtal, sehr angenehm zu laufen.

Dann kommt der letzte Berg. Auf meinem Höhenprofil sehe ich, es wird ein langer, teilweiser steiler Aufstieg bei 35 Grad und wenig Schatten. Inzwischen bin ich eigentlich geduldig was Wege betrifft, es hilft nichts sich darüber aufzuregen. Aber der Berg will und will kein Ende nehmen. Dann kommt die Schweizer Grenze. Ein Zaun, an dem ich lang laufe um durch zu kommen. Das klappt dann auch endlich, aber danach gibt es nur wenig Schilder und viel mehr Wege als auf meiner Onlinekarte ersichtlich und nur durch Versuch und Irrtum finde ich den richtigen Weg.

Leider ist die Landesgrenze nicht oben am Berg, es geht weiter nach oben. Irgendwann ist das auch geschafft und ich werde mit der ersten Aussicht auf den Comer See belohnt.

Hinab wird es abenteuerlich. Der Weg ist am Anfang eine ausgewiesene Profi Mountainbikestrecke. Ich komme fast nicht vorwärts. Irgendwann wird es leichter ich darf auf einer schmalen Straße laufen fast nichts los. Dann ist diese auf einmal wegen Bauarbeiten gesperrt. Ich bin ja immer noch am steilen Abstieg des Berges und ein anderer Weg findet sich nicht so einfach. Da es schon nach 17.30 Uhr ist , denke ich zu Fuß komme ich schon durch, es arbeitet ja keiner mehr. Es hat geklappt war aber nicht leicht. Zwischendurch habe ich mal immer wieder Blickkontakt mit dem See und denke jetzt bin ich gleich unten. Dann endet die Treppe abrupt an einer schmalen Ausfallstrasse die ich etwa 500 Meter bergab gehen soll. Am Boden ein abgetrennter Streifen für Fußgänger. In der Theorie. In der Praxis kommen die Autos so schon kaum aneinander vorbei und es interessiert sich keiner ob ich da komme. Da kann ich nicht langgehen. Auf jeder Seite hohe Stützmauern. Ich schaue verzweifelt auf meinen Plan auf dem Handy. Wenn ich einen km bergauf gehe müsste ich über die Bahngleise auf der anderen Seite , die da oben verlaufen, kommen. Also im tosenden Verkehr mit nur ganz wenig Platz für Fußgänger, bergauf. Ich bin schon fast oben, da wird die Straße wieder so eng, kein Durchkommen möglich, es ist mir zu gefährlich. Was mach ich jetzt, es bleibt nur der Weg zurück den ganzen Berg hinauf und von dort einen neuen Abstieg suchen. Da fällt mir ein , das ich eine Bushaltestelle gesehen habe. Also wieder ein Stück die Straße runter und tatsächlich, da ist sie und der Bus soll in zehn Minuten kommen. Er kommt und ich möchte nur eine Station mitfahren. Der Busfahrer lässt mich umsonst rein und so komme ich endlich den Berg runter. Ja und natürlich muss ich zuerst zum See.

Zwei Fotos und Nachrichten an die Familie, das ich es geschafft habe. Dann mache ich mich auf den Weg wo mein Mann und ein Sohn auf mich warten. Es ist nicht mehr weit. Das ganze Dilemma spielte sich zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel ab. Bei dem ganzen Stress war keinerlei Zeit für Sentimentalitäten.

Jetzt habe ich es tatsächlich geschafft.

In drei Monaten und fünf Tagen habe ich ca. 2500 km zurück gelegt. Alles ist gut gegangen und ich bin gesund angekommen.

An dieser Stelle gebührt der Dank meiner ganzen großen Familie. Besonders meinem Mann, der mich hat ziehen lassen und ich kein schlechtes Gewissen deswegen haben musste, meinen Eltern und Geschwistern die viele Sorgen von mir fern gehalten haben, so dass ich nicht immer, aber doch meistens guten Gewissens meinen Wunsch in Erfüllung gehen lassen konnte.

Allen, die mir ab und zu geschrieben haben danke ich für die aufmunternden, anerkennenden Gedanken. Euer Interesse hat mich gefreut und gerührt.

Das Wissen, in Worten und Gedanken begleitet zu sein, tröstet in einsamen Momenten sehr. Selten, aber es hat sie eben doch gegeben.

Ansonsten bin ich einfach dankbar, das mir diese Wanderung gesundheitlich vergönnt war und sie wird unvergessen bleiben.

Als Antwort auf viele anerkennende Worte zu dieser Leistung möchte ich folgendes sagen:

Das Besondere ist nicht die Leistung an sich, sondern das ich mir diesen Wunsch erfüllt habe.

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96.Tag von Lugano nach Morcote

Der letzte Tag auf dem offiziellen Fernwanderweg. Keine lange Strecke mehr heute, darum habe ich es nicht eilig. Der morgendlichen Gang am Sonntag zum See, lässt mir viel Zeit für Fotos und Gedanken. Eine Stadt die langsam erwacht, ich liebe diese Stimmung und könnte stundenlang alles beobachten und fotografieren. Lugano ist eine Metropole. Alte Häuser und tolle Neubauten ( natürlich nicht alle) stehen oft direkt nebeneinander. Zumindest in der Ecke in der ich unterwegs bin, ist alles sehr gepflegt. Die Berge rundherum setzten der Ausdehnung scheinbar keine Grenzen. Hoch hinauf wird gebaut und das beileibe nicht nur Einfamilienhäuser, auch sehr viele Wohnblöcke.

Gleich um die Ecke von meinem Wohnblock in dem ich untergekommen bin, gehe ich Semmeln holen. Vor mir eine kleine Schlange an der Kasse. Die Kassiererin spricht für meine Ohren perfekt italienisch. Ich bin dran und der Scanner spinnt und ihr entfährt ein,:“ Das darf doch wohl ned wahr sein“, ganz spontan entgegne ich:“ Ah, eine echte Deutsche“. Ja tatsächlich ist sie hier gelandet wie sie sagt und immer wenn etwas nicht gleich klappt, entkommen ihr schon mal deutsche Sätze.

Der Gehsteig wir gespritzt, ein Ratschläge mit der Kioskbesitzerin.

Eine Kirche zwar mit Turm, aber nicht für Glocken. So hängt sie halt in der Ecke an der Wand. Im übrigen waren alle Türen und Tore geöffnet, auch recht ungewöhnlich.

Kunstvolle Böden

Enge Gassen und großzügige Plätze

Am See ist dann schon mehr los. Aber alles ganz entspannt. Eigentlich ist für die Radfahrer ein schmaler Streifen per Farbstreifen abgetrennt. Aber jeder bewegt sich wo er Lust hat und keiner regt sich auf.

Die Kastanien schon arg zugeschnitten tun mir richtig leid.

Die Fortsetzung mit den Linden gibt es scheinbar schon mehrere Jahrzehnte.

Auf dieser Treppe sind auch Sportler unterwegs.

Bei diesem Gebäude verspreche ich mir etwas.

D

as ist der erste Berg des Tages.

Der Monte San Salvatore. Es führt auch eine Standseilbahn aus dem Jahr 1890 hinauf. Ich gehe, anfangs sogar unter Laubbäumen und Palmen.

Überwältigende Aussichten

Sogar einmal mit mir. Ich habe mich allerdings nicht so nah an den Rand gestellt wie die zwei Mädels aus St. Gallen die ich fotografiert habe.

Dann geht es weiter nach Morcote. Eine Steilküste, fast wie in Amalfi

Ich komme von oben, darum gibt es nicht so viele Fotos. Oben wohnt das Geld. Unten ein Speisrlokal neben dem anderen. Eine sehr schmale Straße und Häuser die nur von außen romantisch aussehen.

Mit dem Bus nach Lugano zurück.

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95. Tag von Bellinzona nach Lugano

Die frühmorgendliche Stimmung in einer Stadt ist immer etwas Besonderes. Hier wurde für den Wochenmarkt aufgebaut. Sehr viele Selbstvermarkter, Bauern mit Käse, Wurst, weniger mit Gemüse. Leider kann ich nichts mitnehmen.

Dann muß ich das Tal wechseln, das heißt es geht über einen Berg. Nach zweieinhalb Stunden bin ich oben und muss als erstes durch ein Munitionsgebiet der Armee hindurch. Große Tafeln warnen vor dem Aufheben von Handgranaten und Ähnlichem. Aber die Markierungen sind eindeutig, es ist auch nichts abgesperrt. Weiter geht es auf der anderen Seite den Hang entlang. Richtig ungewohnt die Bergspitze jetzt hauptsächlich auf der rechten Seite zu haben. Tagelang war das anders. Die ganze Nacht hat es schon geregnet und ab dem späten Vormittag geht es weiter. Da wurde mir mal wieder bewusst wieviel Glück ich bis jetzt mit dem Wetter gehabt habe. In den letzten Wochen war nur mal ein kurzer Schauer dabei, aber stundenlanges starkes regnen blieb mir auf der Reise fast erspart. Tiefe Wolken versperren die Sicht.

Ja und dann taucht mal wieder ein Hinweis zu meinem Weg auf, das hat es auch schon viele Wochen nicht mehr gegeben.

Rekorverdächtige Anzahl an Höhenmetern sind zu bewältigen. Jeweils knapp 1400 auf und ab. Schwierig wurde es beim Abstieg nach Tesserete und Lugano. Eigentlich romantisch aussehenden Pflaster mit Kieselsteinen auf steinlen Abhängen, werden zu einer rutschenden Herausforderung.

Oben verändert sich die Landschaft. Viele aufgelassene Almen sind zu erkennen die Natur holt sich ihr Terrain wieder. Die Verbuschung ist je nach vergangener Zeit, mal mehr mal weniger, fortgeschrittenen. Hauptsächlich Birken wachsen hier. Deutlich niedriger und nicht so gerade wie unten in den Tälern.

Der erste Blick auf die Dörfer und Städte um den Luganer See.

Bis ich unten in Lugano bin scheint doch tatsächlich die Sonne.

Ich komme Italien näher, das ist deutlich spürbar.

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94. Tag von Biasca nach Bellinzano

Der gestrige Tag ist Vergangenheit heute ging esmit frischem Elan weiter. Nochmal die Zufahrt nach Biasca um von dort bis Bellinzano zu gehen.

Den Hang wieder zu sehen ruft gleich wieder ein flaues Gefühl im Magen hervor. Während des Wanderns vergeht es und ich genieße den Tag ohne große Anstrengungen. In diesem Talboden würde ich definitiv nicht wohnen wollen. Es hat zwar tolle Berge, am Fluss entlang einen richtigen wieder schön renaturierten breiten Grüngürtel. Aber das große Aber ist der Lärm, nicht nur Verkehr. Jede Menge Industrie hat sich angesiedelt bei der guten Verkehrsanbindung. Kieswerk, Steinbrüche und Logistik erzeugen jede Menge Staub und Lärm. Dann noch die Hubschrauber, einer fliegt immer. Granitblöcke hinauf für Straßen oder Befestigungen, abgeholzte Bäume hinunter zum Sägewerk. Heute hatte ich die Chance alles zu sehen, die Tage vorher habe ich alles meistens nur gehört.

Siesta unter der Fußgängerbrücke, Füße ins eiskalte Wasser tauchen und einer Wasseramsel beim Tauchgang zuschauen. Entspannung pur.

Bellinzano ist ein ausnehmend schönes Städtchen mit drei Burgen. Die größte steht mitten in der Stadt auf einem Felsblock. Die Dimensionen kann man nur von oben erkennen. Teile der Stadtmauer stehen auch noch und sind gleich mit integriert bzw. genutzt.

Es fällt nicht auf, aber da läuft quasi direkt über dem blauen Haus die zweigleisige Bahnlinie lang.

Fußgängerbrücke die auf der Stadtmauer aufliegt.

Da ist auch noch ein bisschen Erde nicht nur Fels. Gleich wird ein Weinberg mit Palmen drauf angepflanzt.

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93. Tag von Cavagnago nach Biasca

Auch der Tag musste mal kommen.

Für mich der Schwerste bis jetzt, ich hoffe allerdings nicht auf eine Steigerung. Die Übernachtung in Cavagnago, ein Agritourismo. Für Wanderer mit Familienanschluss. Denn es gibt keine Einkehrmöglichkeit um Umkreis von mehreren Kilometern und dann kocht die Herrin des Hauses nicht nur für Familie und vier Angestellte sondern auch für mich mit. Super gutes Essen, leider kann ich kein italienisch und nur zwei Personen am Tisch ein wenig Deutsch. Aber wir haben es trotzdem geschafft uns zu verständigen.

Die Strada alta, der ich meistens folge, ist die Straße der schönen Aussichten. Wie einer Gedenktafel zu entnehmen, einem deutschen Intiator.

Seit Airolo denk ich jeden Abend, schlimmer wird es nicht mehr. Doch es ist immer noch eine Steigerung drin. Gestern gings sehr hoch hinauf und die Wege waren teilweise schmal, rutschig und unangenehm zu gehen. Heute gibt es fast kein Bild, denn ich war froh den Weg überhaupt geschafft zu haben.

Hier sind wenigstens noch Bäume und die Sicht ist nicht gar so frei. Aber später musste ich an freien Felsen rundherum, Wegbreite 50 cm. Mittendrin merkt man, umkehren ist keine Alternative. Das ist genauso schlimm wie weiter gehen. Die mentale Anstrengung war für mich, der solche Wege noch nie beschritten hat, enorm. Ordentlich Kopfweh war die Folge und mein Magen hat auch rebelliert. Eigentlich habe dann nur noch auf den jeweils nächsten Schritt aufgepasst. Kurz vor dem finalen Abstieg dann dieses Schild:

Die Straße der Räuberjagd, oder so ähnlich.

Irgendwann wird der Weg auch wieder leichter und ich habe mir geschworen unten bei der ersten Bar gibt es einen Espresso, Ouzo und was Kaltes zum Trinken.

Die Bar kam nach hundert Metern im Tal. Das ist ein Grappa, Ouzo kannte sie nicht und der Rest war so wie gewünscht.

Das war die Wand der ich entlang geschlichen bin, der Weg verlief auch ca. 1100 Metern Höhe und war ca. acht Kilometer lang und dauerte seine Zeit. Da geht es also weit runter und mir ist gleich nochmal schlecht geworden. So etwas will ich nicht mehr machen. Für die Geübten unter euch vielleicht kein Problem, aber um es auf bayrisch zu sagen:

Mia hods glangt

Zur Belohnung bin ich auch noch in den nächsten Supermarkt, ich brauchte Nervennahrung. Schokolade habe ich glaub ich die ganzen drei Monate nur einmal gegessen, jetzt gab es gleich ein Ladung Schokoriegel und Cranberries.

Inzwischen bin ich mit dem Bus nach Bellinzona gefahren, wo ich zwei Tage nächtige. Zu meiner Überraschung hat sich meine Arbnb Buchung als Hotel herausgestellt und ich habe es echt konfortabel abgeschieden. So langsam bin ich wieder hergestellt. Morgen geht es dann wieder zurück nach Biasca und ich wandere bis Bellinzona. Das sind laut Navigation nur neunzig Meter runter und dreißig rauf, das sollte unproblematisch werden. Außerdem habe ich mir vorgenommen nicht zu jammern, denn neben mir werden die Autobahn, die Gotthardstrasse, eine normale Straße, die Bahn und ein Fluß verlaufen. Lärm ist garantiert.

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92. Tag von Faido nach Cavagnago

Mit dem Zug ging es wieder nach Faido und von dort aus weit den Berg hinauf. Mit dem Zug auf dieser Strecke zu fahren war äußerst angenehm. Sehr sauber, die Anzeigetafel hat es mir angetan. Die nächsten drei Haltestellen mit planmäßiger Ankunftszeit und die aktuelle Uhrzeit. Das sind die Infos die ich als Fahrgast brauche.

Vergangener Glanz

Wieder durch Dörfer teilweise sehr gepflegt. Die Hälfte der Häuser ist wie eine Festung verschlossen, alles Wochenensdomiziele

Vollkommenheit mit Steinen gebaut, auch die Dächer. Das hält scheinbar Jahrhunderte lang.

Oder Holz mit Stein, die alten Häuser sind fast alle so.

Modernes Equipment wie Markise und Satellitenschüssel werden auch angebaut.

Ansonsten wunderschöne Landschaftsbilder.

Fazit, viele viele Höhenmeter und teilweise schwierige Wegeverhältnisse waren zu meistern. Die Schweiz fordert mich.

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91. Tag von Airolo nach Faido

Eigentlich liegt Faido neben der Tour. Aber ich bin auf Höhenwegen unterwegs, scheinbar auf einer sehr alten Straße bzw. Verbindung zwischen den teils winzigen Dörfern. Ich sehe immer wieder das Schild Strada alta. Ab und zu geteert, oft aber nur Schotter. Ja und da ist natürlich so gut wie keine Unterkunft zu kriegen. Deshalb bin ich in Osco, meinem Zielort, ewig weit extrem steil den Berg hinunter zum Bahnhof nach Faido, gestiegen. Das ist jetzt der Vorteil dieses Tales, das ja fast eine reine Transitstrecke nach Süden ist. Fast jeder Ort im Tal hat einen Bahnhof und alle 60 Minuten fährt ein Zug in jede Richtung und dazwischen alle Stunde ein Bus der auch noch kleinere Orte anfährt. Es geht also, die Abstimmung zwischen Bus und Bahn. So bin ich wieder zurück nach Airolo gefahren. Interessant war die veränderte Perspektive aus dem Zug zu der Strecke die ich in luftiger Höhe gewandert bin.

Früh um sieben bin ich gestartet. Das Tal verläuft in Nord Süd Richtung so ist mit Sonne erst mal nichts bzw. nur ganz oben.

Uralte Häuser stehen an der Strecke. Viele sind bewohnt oder dienen als Ferienhaus, was von den heimischen Tessinern nicht gern gesehen wird, habe ich mir sagen lassen. Das sind wohl oft Deutschschweizer und die sind nicht so beliebt bei den italieschen Schweizern, obwohl sie drauf angewiesen sind.

Moderne Fenster im alten Haus.

Wege häufig gesäumt von Haselnuss Sträuchern die einen Tunnel bilden.

Eine Zahnradbahn und Wasserrohre führen über die Straße. Nur kleine Autos passen da drunter. Das ist praktisch eine Zustiegsstation, ist aber scheinbar nicht mehr in Betrieb.

Der Blick zurück

und nach vorn

So sah der Abstieg aus. Ja, das ist ein markierter Wanderweg nicht eine querfeldein Route.

Das braucht Zeit und ich bin froh das es nicht regnet.

Von oben sind die vielen Tunnelöffnungen und Trassenführungen erst erkennbar.

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90. Tag von Hospendal nach Airolo

Das war der Ausblick vom Balkon in der Früh. Ihr seht, schönes Wetter, die nächtlichen Gewitter haben sich verzogen.

Noch ein paar Impressionen von Hospendal. Ein Ort der scheinbar fast nur von Holländern als Übernachtungsstation auf ihrer langen Reise gen Süden genutzt wird. Beim Frühstück war keine andere Sprache zu hören.

An diesem Kirchlein trennen sich die Wege. Schaut euch den Text an.

Die Eingangstür der Kirche.

Solche Wasserstellen sind allgegenwärtig, Trinkwasser für alle.

Der Blick zurück

Der Aufstieg zum Gotthardpass beginnt erst mal schattig in enger Schlucht.

Das Tal weitet sich dann und es geht langsam aber stetig bergauf. Heute gleicht der Weg meistens eher einem Spazierweg. Ich lasse mir Zeit und genieße einfach alles. Ihr seht blauer Himmel, angenehme Temperaturen und intensive Farben. Die Murmeltiere pfeifen, ab und zu zwitschert ein Vogel. Verkehr ist heute sehr wenig. Anfangs begleitet mich noch die Bundesstraße, später rückt sie in weite Ferne und ich bin praktisch allein. Wunderschön!

Wieder mal ein Blick zurück

Schon ziemlich weit oben muss ich einmal unter der Straße durch.

Ab da beginnt nochmal eine extra gepflasterte Straße, die hauptsächlich von Radfahrern benutzt wird. Die Fuß gänger benutzen einen eigenen Pfad.

Die Blumenpracht auf 2000 Metern Höhe wird dieses Mal hier gezeigt.

Ja, und dann bin ich oben, natürlich ist da jede Menge los. Obwohl ich nicht viele Autos gesehen habe, ein Rummel. Ich bin froh das Wochentag ist, gestern bei dem ununterbrochen fließenden Strom an Fahrzeugen muss die Hölle los gewesen sein. Ein wenig schade das das kein ruhiger Moment war.

Diesen Stein hat keiner beachtet, wo er doch sozusagen der Scheidepunkt war direkt beim Wegweiser und somit der Gipfel. Alle mussten Fotos von sich und den Kühen, die da weideten, knipsen. So ist ein Bild zustande gekommen,

nach dem mir einfach war. Soweit haben sie mich getragen, meine Füße, fast unfassbar. Meine Habseligkeiten mussten auch mit drauf, war gar nicht so leicht zu bewerkstelligen.

Aber auch so einem Moment muss ein Ende bereitet werden.

Mehrere Seen befinden sich auf der Passhöhe und ein paar Meter weiter unten dann die obligatorischen Touristenfallen.

Das blaue Schild zeigt nämlich schon zwei Meter weniger an.

Die hier hat besonders rausgestochen mit alpenländischen Klarinettenmusik in voller Lautstärke. Da bleibt einem nur die Flucht nach vorn bzw. hinunter.

Die Passstrasse hinunter, alles mit Kopfsteinpflaster gepflastert, benutzen scheinbar nur Rennradfahrer und ein paar Cabriobesitzer. Der Rest nimmt die Bundesstraße und ist sofort ausser Sicht. Das Tal ist extrem eng. Der Abstieg herausfordernd, einige Klettereinlagen waren gefragt. Ein Stück war mir dann doch zu gewagt und ich habe die Straße genommen. Wer es nicht gewusst hat, ab der Passhöhe beginnt das Tessin und ab da wird italienisch gesprochen und geschrieben. Immer noch Schweiz und doch ganz anders als vorher, echt verblüffend.

Schnee liegt auch immer mal wieder.

Der Blick nach oben und nach vorn.

Die uralte Brücke hat eifach einen breiten Aufsatz erhalten.

Auch solche glatten Abschnitte komme ich hinunter.

Der Blick von oben auf Ariolo. Hier erblickt der Auto -und Zugfahrer wieder Tageslicht.

Und wie gesagt: Italien, obwohl noch weit entfernt, lässt grüßen.

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89. Tag von Erstfeld nach Hospendal

Landschaftlich grandios und das ist nicht übertrieben. So langsam tut es mir leid keine Camera mitgenommen zu haben, aber so ist es halt. Nach sechs Kilometern begann der Aufstieg. Leider darf man sich das nicht so wie bei einem Bergaufstieg vorstellen. Ständig ging es rauf und runter. Einmal über der der Autobahn, dann wieder entlang der Bahnstrecke. Auch durfte ich ab und zu wieder zum Fluß hinunter. Es mussten jede Menge Wasserfälle von den Bergen links und rechts überquert werden und da gab’s für die Fußgänger nicht immer extra Brücken, sondern man marschierte dann neben den Gleisen, oder eine eingehängte Metallgalerie wurde genutzt. Alles sehr einfallsreich und anstrengend zu bewältigen. Zwischendurch dachte ich schon, ich schaffe es nicht mehr. Aber nach einer Gulaschsuppe und einem Espresso ging es wieder. Bis zum Beginn des Gotthardtunnels für Autos und Bahn bei Göschenen ging das so. Ab da war es auch ein wenig ruhiger. In dem engen Tal mit all den Verkehrsteilnehmern war es zeitweise ganz schön laut. Auch der Fluß tat das Seinige dazu. Da das auch die Via Gotthardo ist waren jede Menge Informationstafeln zu Bahnbrücken und Infrastruktur aufgestellt. Echt bewundernswert die technischen und bautechnischen Ingenieursleistungen. Auch die Arbeitsbedingungen wurden geschildert, kein Spaß. Auch damals Ende 19. Jahrhunderts wurden schon lauter italienische Gastarbeiter beschäftigt.

Göschenen erlebte seine Blütezeit während des Tunnelbaus. Jetzt dient es nur noch als Autoverladebahnhof. Alles ist recht trist und dir Häuser stehen leer.

Jetzt begann der Aufstieg nach Andermatt durch die Schlucht Schöllenen und ich bin froh das zu Fuß gemacht zu haben. Ich glaube als Autofahrer auf der Gotthard Bundestrasse sieht man gar nicht wie toll das Tal ist. Auch die Serpentinen von unten zu sehen, wie sie sich an den Berghängen entlang winden, einfach unglaublich. Auch die Dimensionen sind gigantisch. Bei dem Foto mit dem Angler könnt ihr es ermessen.

Hier wird es wohl mal einen extra Radweg die Schlucht hinauf geben. Teilweise ist er schon fertiggestellt und da war der Aufstieg steigungsmässig natürlich leicht. Der Weg verläuft dann auf den Galeriedächern der Autostrasse.

Zu diesem Zeitpunkt musste ich einen Regenguss überstehen, kurz und heftig. Danach war der Himmel wieder blau.

Die Schweizer nehmen es mit ihren Kantonen schon sehr genau und sind da auch sehr patriotisch.

Eine Umleitung für Fußgänger durch einen eigenen Tunnel gab’s auch.

O

ben in Andermatt angekommen, ein völlig anderes Bild. Die Hüttenwirtin von der Haggenegg hatte schon gesagt daß Andermatt quasi nur aus Hotels bestehen würde. Eine Kaserne gibt es auch noch, ein riesen Gleisareal. Hier ist im Winter scheint es, einiges los.

Ein Golfplatz hat da dann auch noch Platz.

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88. Tag von Morschach Rüti nach Erstfeld

Also, auf Stroh schlafen kann ich empfehlen. Meins war sicher 30 cm stark aufgeschüttet und es liegt sich bequem. Die junge holländische Familie hatte wohl anderes erwartet. Letzten Endes „durften“ Oma und Opa mit Enkeltochter unter mir nächtigen. Am nächsten Morgen war der Kommentar, einmal hat gereicht.

Ich kam heute früh los und durfte bis Sisikon weit oberhalb des Urner Sees wandern und die Aussichten genießen.

Das habe ich auch nicht gleicht bemerkt. Ein See zwei Namen. Der See macht eine 90 Grad Kurve bei Brunnen. Die westliche Seite ist der Vierwaldtstätter See. Die südliche der Urnersee.

Von Konstanz bis Brunnen war ich ja auf dem schweizer Jakobsweg unterwegs, der anfangs auch noch Schwabenweg hieß. Heute eine Tafel mit der Erklärung warum dieser Name. Der Weg wurde übrigens schon von Goethe benutzt.

Der Teil zwischen Brunnen und Flüelen verläuft auf dem „Weg der Schweiz“. Ein sagenhafter Abschnitt, ich wurde mit Bewundern gar nicht fertig. Anstrengend war er auch. Unzählige Treppenstufen, permanentes Auf und Nieder, und dann noch ein Stück auf einem Gerüst.

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Ein Glockenspiel, gestiftet von der Schweizer Schokoladenindustrie. Es spielt jede Stunde 10 Minuten. Ich bin tatsächlich zur richtigen Zeit vorbei gewandert.

Vier Stockwerke nach unten, da konnte ich durchsehen, da war der Abstieg kein Spaß.

Irgendwann fängt so eine Konstruktion doch das Schwingen an.

In Flüelen startet der Gotthard Express und die Gotthard Autobahn.

Die erste Klasse Waggons haben tolle Panoramafenster.

Mein Weg heißt ab jetzt auch Via Gotthardo und verläuft entlang dem Fluß Reuss. Anfangs schnurgerade, aber es wurde besser. Das Tal immer enger. Autobahn, Fluß mit Hochwasserdamm, Schiene und Ortsstrassen müssen sich den Platz teilen. Ab und zu wird es breiter und da gibt’s auch Ortschaften.