E1 von Göteborg zum Nordkap

29. – 31. Tag 26. – 28.5.22 von Ramshyttan zum Rastplats Storsjön am Stora Gålsjön und weiter nach Uskavi

2 regnerische kühle Tage mit feuchten Schuhen und Socken.  Der Rest, also Jacke,  Hose und Zelt hält dicht und das ist das Wichtigste. Beim Aufstehen in Ramshyttan scheint sogar noch die Sonne und ich kann den Daunenschlafsack noch vom Wind durchpusten lassen was den Daunen nach der Nacht mit der Kondensfeuchte richtig gut tut bevor er in den Kompressionsack auf etwa die Größe einer 1l Flasche reduziert wird. Also Glück gehabt,  bei Sonne und 7°C gemütlich gefrühstückt und zusammen gepackt.  Auf dem Weg ist  mir eine Gruppe mit Schulkindern begegnet. Der Lärm war ganz ungewohnt so mitten im Wald. Trotz Regen und Matsch waren sie mit ihren Lehrern unterwegs und Kleidungsmässig bei weitem nicht so gut ausgerüstet wie ich.  Alle waren trotzdem guter Laune und ich wurde fleißig auf englisch ausgefragt. Bin schon neidisch wie gut etwa 10jährige hier schon Englisch sprechen.

Der Berglagsleden verläuft durch alte Bergbaugebiete. Teilweise wurde schon im Mittelalter Eisenerz, Silber und Kupfer abgebaut. Wasser wurde zur Energiegewinnung dringend benötigt und so wurden Seen verbunden oder aufgestaut und alles ist heute noch zu sehenbzw wird auch noch genutztund instand gehalten. Viele Orte haben eine Namensendung mit hyttan was auch auf die Metallverarbeitung schon in frühen Zeiten hinweist . Immer wieder kommt man an Wasser gefüllten Löchern , also alte Gruben und tiefen  Kanälen vorbei.

Sogar ein Museumsdorf, Pershyttan gabs zu bestaunen. Die Saison hat immer noch nicht begonnen und so sehe ich überall riesige Parkplätze aber jetzt ist nichts los.

Noch funktionsgäniges Feldgestänge das von einem Wasserrad bewegt wird  und die früher benötigten Maschinen in Bewegung hielt.

Eigentlich als Cafe benutzt,  aber leider nicht jetzt

Die erste Eisenbahnlinie Schwedens wurde hier gebaut. Der Bergbau wurde an manchen Orten bis Mitte letzten Jahrhunderts betrieben.

Hammarby
Schaut kurz vor dem Einsturz aus, wird aber immer noch genutzt
Schwierige Wegeverhältnisse

Die langsame Fortbewegung ermöglicht viele Besonderheiten wahrzunehmen und viele davon halte ich auch per Foto fest.

Ich bin schon gegen Mittag an dem nächsten Unterstand angelangt, sodass ich beschloss doch noch bis zum nächsten Ort, nämlich Hammarby weiter zu gehen.  Nur um festzustellen das hier überhaupt keine Möglichkeit bestand mein Zelt aufzustellen. So beschloss ich weiter zu gehen bis sich eine Möglichkeit finden würde. Leider war es erst beim nächsten Unterstand möglich, also bin ich insgesamt 28km gelaufen.  Zu meiner Überraschung traf ich dort drei Schweizer an. Zwei Männer und eine Frau. Die Männer wollten sich noch auf dem Weg zum nächsten festen Unterstand machen,  da sie sich den Platz nicht mit uns teilen wollten.  Sie waren auch in entgegengesetzter Richtung unterwegs.  Es stellte sich heraus das hier  Anja aus Bern war. Von ihr hatte ich schon gehört und auch in den Gästebüchern der Lagerplätze vorher schon gelesen.  Auch sie will immer nach Norden,  wenns klappt bis ans Nordkap auf einer ähnlichen Route wie ich sie geplant habe.

Sie erzählte mir dann  dass sie am nächsten Tag 32km bis zu einem Hostel des schwedischen Wanderverbands wandern wolle. Dort gibts Dusche,  Waschmaschine und ein festes Dach.  Das unbeständige, nasskalte Wetter bleibt uns bis zum Sonntag erhalten.  Kurzer Hand beschlossen wir den Tag zusammen zu gehen.  Zu zweit geht sich so eine lange Etappe leichter. Nachdem wir festgestellt haben, dass unser Tagesryhtmus  bezüglich Aufstehen und dergleichen der selbe ist, ist es ja auch ganz schön mal nicht allein zu sein.

Natürlich Lagerplatz am See  gerade ohne Regen

So sind wir am nächsten Morgen um sieben mit flottem Schritt und vielen Gesprächen gestartet. Schon schön so eine Abwechslung.  Viel gab es nicht zu sehen,  deshalb auch fast keine Aufnahmen.  Von den Männern hatten wir gehört, dass der Campingplatz 8km weiter einen kleinen Kiosk, hauptsächlich mit Süßikgeiten  betreibt. Bisher habe ich mir keine Schokolade und Kekse gekauft, aber ich merke langsam das der Kalorienhunger danach immer größer wird und es immer noch drei Tage keine Einkaufsmöglichkeit gibt. Also beschlossen wir, dort unsere erste Rast einzulegen und Kaffee zu trinken und uns zu versorgen.  Für Anja extrem wichtig immer einen Süßigkeitenvorrat zu haben, denn sie ist Diabetikerin.  Da ist die Organisation der Medikamente und dergleichen schon noch eine ganz andere und lebenswichtige Aufgabe und mal eben einen Tage weniger zu essen das geht nicht einfach so. Den Mut trotzdem so einen Trip zu wagen, echt toll.

Am Campingplatz hatte das Café und der Kiosk nicht wirklich offen,  aber für Wanderer haben sie einfach ein Herz, die Schweden.  An der Rezeption  hat sie uns das Süßigkeitenregal plündern lassen und uns kurzerhand den Aufenthaltsraum aufgesperrt wo wir im Warmen Kaffee trinken und  Wasserflaschen füllen konnten.

Anja

Jede Menge Knäckebrot haben wir auch geschenkt erhalten, so gings aufgewärmt und gestärkt weiter.

Um drei haben wir beim Hostel telefonisch reserviert weil wir uns da sicher waren,  dass wir die 32km auch durchhalten werden können.  Ab dem Zeitpunkt haben wir uns allerdings getrennt, denn ich war echt müde und  stolpere dann leicht und wir haben ja unser beider Ziel gewusst. Zwischendurch hats mal aufgehört zu nieseln und ich habe mir meinen 10 Minuten Schlaf gegönnt, ordentlich getrunken und etwas Schokolade verspeist, dann bin ich halt wie ein neuer Mensch und frisch im Geist. Die letzten 4km waren dann auch nur noch Straße und tatsächlich sind wir sogar wieder zusammen getroffen,  denn auch sie hatte eine Pause eingelegt. Bis dahin haben wir auch besprochen das wir morgen einen Ruhetag einlegen wollten. Beim Hostel mussten sie Einiges umorganisieren, aber gerade haben wir Nachricht erhalten es klappt und bekommen wenn die 4 Leute da sind auch ein warmes Mittagessen.  Was für ein Luxus.  Meine Beine und Füße lassen es mich heute deutlich spüren, das sie zwei Tage Hochleistung hingelegt haben und das Wetter lädt geradezu ein, sich  einen faulen Tag zu genehmigen. Unsere Wäsche wurde gewaschen und trocknet gerade, es passt also alles und es kommt eine  spontane innere Ruhe und Zufriedenheit auf, weil sich alles so gut fügt und wie wenig es dazu braucht, ist schon erstaunlich.

Das Haus liegt inmitten zweier Seen, nahe eines Birkenwaldes umgeben von grünen Wiesen, idyllisch wie im Bilderbuch.

Morgen soll das Wetter dann auch endlich besser werden, danach habe ich tatsächlich ein wenig Sehnsucht.

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