Europ. Fernwanderweg E1

84. Tag von Rapperswil nach Einsiedeln

Eigentlich eine kurze Etappe, drum folge ich der Empfehlung aus dem Internet und gehe einen größeren Bogen über einen Berg Namens Stücklirüz. Von dort soll die Aussicht auf die zurückliegenden und folgenden Berge möglich sein. Es war wieder eine echte Bergtour und leider verzog sich der anfängliche Sonnenschein und tief hängenden Wolken übernahmen das Kommando.

Die Aussichten waren immer noch atemberaubend. Zu Beginn verlief der Weg über einen 840 m langen stabilen Holzsteg über den Zürichsee. Auf einer Seite ein Bretterzaun auf der anderen drei dünne Drahtseile. Dadurch ist eine ungehinderte Sicht möglich und man schwebt quasi über dem Wasser. Teilweise aus wurde sie aus Privatspenden finanziert.

Der Gipfel war fest in tierischer Hand.

Der Abstieg führte zum Siehlsee der auch überquert werden musste. Der offizielle Weg verläuft über diese Brücke, aber für Fußgänger ist kein Platz. Es kommen gerade zwei Autos aneinander vorbei. Es war kein Spaß darüber zu gehen.

Es ist alles gut gegangen. Einsiedeln ist ja bekannt für seine riesige Benediktinerabtei und eine schwarze Madonna in einer vor Pomp nur so strozenden Kirche. Alles ist hier gigantisch.

Bodenmosaik

Leider gerät das Handy mit den Fotos an seine Grenzen. Die Farben sind viel intensiver und geben nicht annähernd die Wirklichkeit wieder. Kein Platz ist unverziert, wenn nicht farblich, dann mit Stuck.

In der Schweiz befindet sich in jeder Kirche die ich bis jetzt gesehen habe, eine Uhr. Meistens an der Decke, hier über der Kanzel. Diese läutet auch noch alle viertel Stunde.

Im großen Saal im Kloster steht eine Uhr die alles anzeigt was man sich vorstellen kann. Ein bisschen schwer zu erkennen.

Hier treffe ich ein Ehepaar aus Nürnberg mit denen ich am Tag vorher auch schon in der Herberge übernachtet habe. Auch mal schön, quasi bekannte Gesichter zu sehen. Ihr Pilgerweg führt von Ulm nach Rom. Für sie ist das die zweite Woche, die unnütze Kleidung wurde bereits zurück geschickt und die Last leichter. Sie haben sich drei Monate Zeit gegeben für die 1700 km.

Europ. Fernwanderweg E1

83. Tag von Fischingen nach Rapperswil

Am Frühstückbuffett im Kloster aufgebaut. Bier in Flaschen mit Sektflaschenverschluss. Schaut edel aus. Das ganze Arrangement diente nur der Werbung, nicht dem Konsum und das im Kloster. Am Abend vorher habe ich ein Amber probiert. Auch andere können gutes Bier brauen, kann ich da bloß sagen.

Noch ein paar Bilder von der Klosterkirche.

Heute wirds heiß und lang, beides wusste ich von Anfang an. Als erstes gleich mal eine Bergtour auf das Hörnli, doch schon 1100 Meter hoch und damit war ein toller Ausblick garantiert.

Wobei die Einheimischen eher über die schlechte Sicht geklagt haben.

Hinab ging es auch nicht leichter, es war steil.

Ja und dann kam dieser Straßenabschnitt in dieser Mittagshitze, der wahre Genuss.

Zumindest wurden die Berge ringsherum immer höher, dann war wenigstens die Aussicht schön.

Der Zürich See kommt ins Blickfeld, da hebt sich die Laune beträchtlich.

Ja und dann gibt’s noch eine lustige Geschichte , noch dazu weil sie für mich glimpflich ausgegangen ist. Nachmittags gegen halbvier bei 35 Grad werde ich auf einem ganz schmalen Weg der zwischen alten Häusern durchführte, von einer alten Frau im Liegestuhl unterm Baum sitzend, angesprochen. Natürlich alles auf Swietscherdütsch. Wollens was zum trinken. Ich hatte sie eigentlich gar nicht gesehen und blieb überrascht stehen. Da sag ich nicht nein, war meine Antwort. Dann hat sie ihren Mann gerufen und nebenbei sagt sie setzen sie sich doch. Da hab ich erst auf der anderen Wegseite unter einem kleinen Verschlag den Tisch und zwei Stühle gesehen. Bis ich gesessen bin, Rucksack und Stöcke beiseite stellen braucht seine Zeit, schon von ihm die Frage: Solls kalt sein? Ja gerne, und bis ich gesessen bin stand ein halber Liter Mineralwasser aus dem Kühlschrank auf dem Tisch. Ja und dann habe ich erst die Tafel gesehen mit den Preisen. Ich war nämlich von Menschenfreundlichkeit ausgegangen. Ich hätte mich beinahe verschluckt vor Schreck. Der Dl 1 Franken, also satte 5 Franken sollte der Spaß kosten. Jetzt war es eh zu spät und so habe ich mich mit ihm übers wandern, wohin die Reise noch geht, was er schon alles gewandert ist und dergleichen, unterhalten, während ich das Wasser getrunken habe.. Im Laufe des Gesprächs merkte ich schon das er sich über meine Kenntnisse der kommenden Berge gefreut hat. Dann hat er noch gemeint das ich ja ganz schön schnell wäre, die Leute mit meinem Startpunkt kämen normalerweise erst zwei Stunden später durch und hätten ja noch neun Kilometer vor sich. Er würde ihnen dann immer ihre zwei Zimmer unter dem Dach anbieten, worauf die immer ganz glücklich wären. Aber sie werden die wohl nicht brauchen hat er noch gemeint. Am Schluß habe ich einen Franken bezahlt, was ich mit den Worten quittierte, das ich mir das ja grad noch leisten kann. Da hat er herzlich gelacht. Die Frau hockt scheinbar den Nachmittag im Garten und passt die Wanderer ab, er hat mir harklein erzählt wieviel wann vorbei gekommen sind. Ende gut alles gut kann ich da nur sagen, eine Wohltat war das kühle Getränk auf jeden Fall und der Rest des Weges ging auch noch rum.

Auch heute übernachte ich in einer Pilgerherberge, das ist günstig, denn die schweizer Preise lassen einen schon schlucken. Dieses Mal ist sie fast voll belegt, aber das ist schon noch zum Aushalten. Nette Gespräche sind da inklusive, vornehmlich natürlich übers pilgern. Witzig, denn das wollte ich ja auf keinen Fall machen. Jeder ist müde und die meisten liegen um neun im Hochbett.

Wie ihr seht italienisches Flair am Zürich See. Der Espresso am nächsten Morgen hat im übrigen 4,50 Franken gekostet, das passiert mir auch nicht nochmal.