E1 von Göteborg zum Nordkap

83. Tag 19.7.22 von Tjärrepielke zur Slipsikstugan am Sliptjehke

Außer ein paar Tropfen heute kein Regen und sogar die Sonne ließ sich sporadisch blicken. Dann sind natürlich die Mücken da. Nachdem von dem Regen alles nass war beschloss ich, gut eingepackt mit Mückennetz über dem Kopf , möglichst schnell zusammenzupacken und beim nächsten Unterstand zu frühstücken. Soweit war es bis dahin nicht und det aufziehende Regen konnte mir auch nicjts mit dem Dach übern dem Kopf anhaben. Etwas weniger Mücken waren es auch. Es war nur ein kurzer Schauer und so gong ich weiter. Bis Mittag um eins leider ohne Wege durch ganz viel Bäche, dafür riss der Himmel auf. Sb und zu blitztein Sonnenstrahl zur Erde.

So schauen Bachquerungen aus, wenn sie flach sind
Rückblick auf das Tal

Um eins kam ich an einer Notfallhütte an, für zwischendurch Pause mache und Wäsche trocknen bzw. kochen jederzeit nutzbar. Übernachten nur im Notfall. Kaum hatte ich meinen Rucksack abgesetzt rumpelte es gewaltig und drei junge Schweden machten sich völlig erschöpft breit. Sie waren gerade die 10km gegangen die ich noch vor mir zur nächsten Übernachtungshütte hatte. Eine unterhaltsame Stunde mit Essen kochen und über Ausrüstung fachsimpeln sorgte für Entspannung. Ich bekam noch gesagt das es für mich praktisch nur noch bergauf geht, was für ein Motivationschub, wo och ja eigentlich auch schon müde war.

Es ging hinauf ins Fjäll und landschaftlich totsl schön. Mit den grünen Hügeln hat es mich sehr an Schottland erinnert. Leider immer noch ohne ausgetretene Pfade, aber jetzt war kein kniehohes Gestrüpp mehr zu durchqueren. Leider ging es sich hier wie auf einer Buckelpiste. Erstens rauf und runter aber praktisch war kein Tritt auf ebenen Grund möglich. Abends hatte ich tatsächlich etwas Knie -und Sprunggelenksschmerzen.

Einzelne Hügel erstrahlen im Sonnenlicht

Für die 22km war ich mit den Pausen etwas über 9h unterwegs und dementsprechend geschafft bin ich an der Hütte angekommen wo gerade zwei Angler beim Abendessen saßen. Die gingen nochmal raus zum Angeln, derweil füllte sich die Hütte. Ein Pärchen aus der Tschechoslowakei, später noch insgesamt 3 Wanderer die einen in Schweden sehr berühmten Weg gehen. Das 1300km lange „gröna Bandet“. Eine Route die man sich selber sucht, nur Anfangs -und Endpunkt stehen fest. Inzwischen waren wir eigentlich zuviel Leute für die sechs Schlafplätze. Nach erfolglosem Angeln beschlossen die zwei Herren aber noch zu den 8km entfernt stehenden Autos zu gehen. So hat alles wieder gepasst. Leider war das keine nette norwegische Hütte mit mehreren Schlafräumen, sondern praktisch ein einziger großer Raum plus Gang. Also nix mit Privatsphäre und alle gehen gemeinsam schlafen oder halt auch nicht. Wir waren bis 23.30 Uhr auf und haben dann tatsächlich noch einen spektakulären Sonnenuntergang erlebt. Alle dick eingepackt, denn die agressive Mückenzahl war unermesslich.

Es war ein echt unterhaltsamer lustiger Abend und so langsam kann ich jede Menge auch auf englisch erzählen.

E1 von Göteborg zum Nordkap

82. Tag 18.7.22 von Borgafjäll nach Tjärrepielke

Ab und zu gebe ich dem Tag eine Überschrift und die heutige muss lauten

DUMMHEIT WIRD BESTRAFT

Und damit meine ich natürlich meine Eigene. Das Wetter, die unendliche Geschichte, hat es in der Ftüh nicht besonders gut gemeint.

1. Ausrede: Sehr nasser Nebel, die Sicht war schlecht, aber daran lag es nicht allein, das ist die einzige winzige Entschuldigung die ich mir gönne. Ich habe bereits nach 500 Meter den falschen Abzweig genommen.

die nicht vorhandene Sicht

2. Ausrede: Der Regen peitschte quer vor lauter Wind, deshalb habe ich nicht auf meine Karte geschaut.

3. Ausrede: In der Gewissheit das ja alles super markiert ist, habe ich nicht wirklich aufgepasst, zwar jede Menge gedacht, aber keine Konsequenzen daraus gezogen.

Und so nahm alles seinen Lauf.

Voll motiviert stieg ich den Berg hoch, habe mich zwar wegen der Höhe gewundert, aber ich sagte ja schon keine Konsequenzen gezogen. Oben eine Hütte für Notfallübernachtung und Zwischenstopp. Da oben hatte es -4°C. Ich habe mich wärmer angezogen und was gegessen.

Was ich nicht gemacht habe?

Genau!

Auf die Karte geschaut und im Trockenen wäre es leicht möglich gewesen. Stattdessen stieg ich auf der anderen Seite wieder runter. Recht weit unten kamen mir Zweifel und das völlig zu recht. Ich war in der falschen Richtung unterwegs, bin auf einen Berg mit über 1000 Meter rauf und wieder runter gestiegen. Quer gehen um auf den richtigen Weg zu kommen ging nicht, mindestens 1 Schlucht lag dazwischen. Natürlich habe ich zu diesem Zeitpunkt auch kein Netz gehabt also bin ich wieder umgekehrt. Unten war das Wetter deutlich besser aber es half nichts.

Jetzt gab es auch Weitsicht

Mittag um kurz vor eins war ich dann wieder fast am Starpunkt.

Der Wegweiser, ich habe ihn falsch interpretiert

Hier habe ich dann mit Empfang gemerkt, ich hätte schon weitergehen können es wäre morgen halt eine 30km Strecke auf der Straße fällig gewesen. Im ganzen hätte es aber keinen Umweg bedeutet. Ärgern hilft nichts. Mein Plan bis zu der 1. Hütte zu gehen war natürlich schon längst obsolet. Die Originalroute war dann mal wieder das Gleiche wie in Norwegen. Matsch, Wasser und unwegsames Gelände weil teilweise überhaupt kein Weg da ist.

die Markierung zeigts, hier gehts lang, Weg ist keiner zu sehen

Diesen Weg gibt es erst das 3. Jahr und er verbindet mehrere kurze Teilstücke die schon lange existieren. So kann es halt sein, das man zwischendurch quasi querfeldein marschiert. Ich war gefrustet und müde und so lief es auch nicht rund und alles ging langsam. Nach knapp 10km nahm ich den ersten halbwegs brauchbaren Platz zum Zelten. Morgen sind es dann 20km bis zur Hütte ich hoffe das schaffe ich.

der Matsch, häufiger Begleiter
dafür gibt es Brücken und ich muss keine breiten Flüsse queren

denn

die unendliche Geschichte geht weiter. 4°C sind vorausgesagt mit Regen und Wind.

Von meinem Mann empfange ich dann ein hochsommerliches Gartenbild mit Schmetterling. Das lässt das Heimweh nach Sommer und Sonne unendlich werden.

Aufgeben gibts nicht, zumindest nicht jetzt. Noch hoffe ich einfach das es hier auch mal besser wird.

Ich war ja ganz allein verantwortlich für diese Misere und wenn ich noch Süßigkeiten hätte dann ….

für 10 Sekunden Sonne
Der Abendhimmel und inzwischen regnet es wieder

Das Positive, das Zelt ist dicht, ich stehe im Windschatten und habe einen warmen Schlafsack. Eigentlich geht es mir gut, ich denke nur nicht immer daran!