E1 von Göteborg zum Nordkap

92. Tag 28.7.22 von  Stekvasselv nach Gressvasshytta

In der Früh das versprochene Wetter. Mit 8°C und wenig Wind bei ganz leicht aufgelockerter Bewölkung begann mein Wandertag um 7.00 Uhr. Der Rucksack war wieder schwer da ich gestern ein Versorgungspaket erhalten habe.  Wie so oft, die Seen liegen im Tal das heißt erst mal ordentlich bergauf gehen. 

Der Blick zurück auf den See Nordbukta an dem mein gestriges Quartier lag
heute nicht in Wolken gehüllt
oder fast nicht

Nachdem der höchste Punkt überwunden war der Blick ins Spjellveltdalen

Entlang der rechten Seite auf halber Höhe verlief der Weg bis Mittags. In der Bildmitte der dunkelgrüne Berg bildet den Talschluss

Ein schöner Weg . Gegenüber mit über 1900 Metern die höchsten Berge der Gegend. Leider meistens verhüllt.

die Bergkette Okstindan
der Gletscher Corneliussens bre

Auch hier gut zu erkennen,  er schmilzt. In der Hütte habe ich einen Bildband zu diesem Tal gefunden.  Vor 20 Jahren waren die grauen Schutthaufen vorne noch mit Eis bedeckt.

Leider war am Talende Schluss mit den Bergwegen und die zweite Hälfte bestehend aus Sumpf und Wasser bestimmte den Weg. Meist leicht bergab dann ging es trotzdem  flott voran.  Wobei die Markierungen teilweise schon in die Jahre gekommen sind.  Die markierten  Baumstämme lagen am Boden und es war schon genaues Hinsehen und Suchen notwendig damit die Richtung stimmte. Wenn es  sumpfig bergauf ging dann ist das schon echt anstrengend.

hier der Test

Natürlich wurden zu diesem Zeitpunkt wieder die nassen Wolken ins Tal geweht. Durch den auffrischenden Wind  fühlte sich das auf der Haut wie feine Nadelstiche an. Danm beschlägt die Brille und mit der Sicht wird es dadurch nicht besser.

Die Bucht rechts  hinten und Berge , da liegt Schweden. Um diese Ecke führt morgen mein Weg. Wenn man auf die Karte schaut, der Grenzverlauf ist hier sehr ungewöhnlich

Die Gressvasshytta liegt an diesem See. Das Haupthaus wird gerade renoviert und erweitert,  aber es gibt eine kleine Nebenhütte mir drei Schlafplätzen. Ich war gegen 15 Uhr da, der Vorteil wenn der Wandertag früh beginnt.

Gleich Ofen eingeheizt, da habe ich langsam Übung. Holz liegt ja immer bereit.  Wasser im nahen Fluss geholt und dann gabs erst mal einen Becher Kaffee und dann die zweite Portion Essen.  Die erste Portion koche ich schon immer gleich in der Früh und esse sie auf zweimal statt Pausenbrot. Ich fülle das Essen immer in den Thermobecher mit Deckel,  der dann im Kocher plaziert wird. Das alles findet mitten im Rucksack seinen Platz. So ist das Ganze immer noch lauwarm wenn ich das esse. Es schmeckt so besset als wenm es kalt ist. Die erste Zeit habe ich das nur mit kaltem Wasser aufgegossen und gegessen aber mit der Zeit findet man noch andere Möglichkeiten.

Später kam noch ein norwegisches Ehepaar zum Aufwärmen und Kaffee trinken.  Da habe ich ein paar Süßigkeiten geschenkt bekommen.  Sie wollten eigentlich den höchsten Berg besteigen,  aber sie waren für die eisigen Verhältnisse nicht richtig ausgerüstet und sind umgekehrt.  Sie übernachten seit gestern in der nur 7km entfernten nächsten Hütte und machten sich um sieben,  nach einem dreistündigen Ratsch auf den Weg. Sie erzählten mir noch das in ihrer Hütte noch drei Deutsche schlafen die mir wohl morgen entgegen kommen werden. Wenn es so lange hell bleibt verschiebt sich vieles auf den Abend.  Das Zeitgefühl verliert sich hier.

ganz kuz mal blauer Himmel am Hausberg
Blick aus dem Fenster
E1 von Göteborg zum Nordkap

91. Tag 27.7.22 von Sivertgåden nach Stekvasselv

In der Nacht wurde ich vom Regen und stürmischem Wind geweckt. Das Zelt stand allerdings recht geschützt und ich konnte schon noch wieder weiterschlafen. Leider war um 6 Uhr immer noch keine Besserung eingetreten und ich begann schon zu überlegen ob es überhaupt sinnvoll ist heute zu wandern. Es geht ja jedes Mal hinauf auf die Berge und da weht es ja sowieso deutlich stärker. Also beschloss ich erst mal noch liegen zu bleiben. Die Bäuerin hatte gestern behauptet es würde heute trockenes Wetter geben. Ich habe ja seit Tagen kein Netzempfang bzw vielleicht am Zielort an einer bestimmten Stelle schwachen und dadurch keine aktuellen Daten. Um sieben hat es dann wenigstens das Regnen aufgehört und ich begann zusammen zu packen und zu frühstücken. Ab und zu zeigte sich sogar ein winziges Stück blauer Himmel und so hoffte ich der Wind würde auch abflauen.

Der Rückblick zum See

Das mit dem Abflauen wurde nichts. Oben stürmte es das ich nicht gerade stehen konnte. Aber jetzt war ich halt auch schon oben da konnte ich auch weitergehen. Das einzig gute war am Anfang, es regnete nicht. So gab es auch schöne Aussichten. Wie gesagt die Bilder täuschen. Mehr als 2 Grad dürfte es nicht gehabt haben.

Der Regenbogen zeigt es, da vorne regnet es

Dann wehte der Wind doch wieder tief liegende nasse Wolkenschwaden heran und es war Schluss mit der Fernsicht. Hin und wieder gab es Windschatten, aber im Normalfall war Sturm und wenn das im Tal so ersichtlich gewesen wäre, wäre ich nicht aufgebrochen. So langsam bin ich ja in Nordnorwegen angekommen und da liegt auf 800 Meter noch jede Menge Schnee. Eigentlich war die Landschaft wunderschön und bei ruhigem sonningen Wetter bestimmt unvergesslich. So marschierte ich mit eingezogenen Kopf, stark vermummt mit angezogenen Handschuhen und meine Stöcke immer fest im Griff durch die Berge. Ohne Stöcke hätte ich auf gar keinen Fall unterwegs sein können, die waren fürs Gleichgewicht halten heute unerlässlich.

Diese Querung war schon schwieriger.

Das Wasser läuft mit einem solchem Getöse zu Tal, das ist Respekt einflößend und vermittelt mehr Schwierigkeit als es dann wirklich ist.

Durch diesen Dschungel ging es bergab
Hält besser als es den Anschein hat

Eigentlich war auch hier die Hütte ausgebucht, denn ich hatte vor drei Tagen schon angefragt. Ich bekam das Angebot im Garten zu zelten und die Dusche im Haus benutzen zu dürfen. Aber bis ich ankam hatten sie es sich anders überlegt und ich erhielt das Gästezimmer im Wohnhaus. Ich wurde vom Herrn des Hauses noch mit Spiegeleier, Knäckebrot, Butter und Saft verwöhnt. Er aß auch noch mit mir mit und fuhr dann zu seiner Frau zu ukrainischen Flüchtlingen die sie betreuen und ich habe ihr Wohnhaus ganz für mich allein. Was für ein Vertrauensbeweis.

Ich bekam auch noch für später eine regionale Spezialität hingestellt. Übersetzt heißt das Gebäck Kammkuchen. Ist so eine Art Fladen der direkt auf Feuer gebacken wird. Ich soll mich noch aus dem Kühlschrank mit Käse dazu bedienen und der scheinbar unerlässliche Nescaffe für abends wurde auch bereit gestellt. Ein paar Äpfel gehören mir auch noch. Also ich kann nicht jammern und die Freude ist groß bei so einem Verwöhnprogramm. Ein wenig hatte ich den ganzen Tag drauf gehofft nicht draußen im Zelt bei diesem Wind und den kalten Temperaturen schlafen zu müssen, aber solche Überraschungen sind doch das Schönste.

Kammkuchen
Der Blick aus dem Fenster am Esstisch, Das Thermometer zeigt 5°C an

Wir unterhielten uns noch ein bisschen und über meine Klage zwecks dem vielen Regen, meinte er ganz trocken das wären keine Schwierigkeiten sondern eine Challenge. Da musste ich dann sogar lachen und so betrachtet, stellen sich die Unannehmlichkeiten ganz anders dar. Ich habe mir vorgenommen jetzt öfter an diesen Satz zu denken wenn ich mal wieder mit den schlechten Bedingungen hadere.