E1 von Göteborg zum Nordkap

82. Tag 18.7.22 von Borgafjäll nach Tjärrepielke

Ab und zu gebe ich dem Tag eine Überschrift und die heutige muss lauten

DUMMHEIT WIRD BESTRAFT

Und damit meine ich natürlich meine Eigene. Das Wetter, die unendliche Geschichte, hat es in der Ftüh nicht besonders gut gemeint.

1. Ausrede: Sehr nasser Nebel, die Sicht war schlecht, aber daran lag es nicht allein, das ist die einzige winzige Entschuldigung die ich mir gönne. Ich habe bereits nach 500 Meter den falschen Abzweig genommen.

die nicht vorhandene Sicht

2. Ausrede: Der Regen peitschte quer vor lauter Wind, deshalb habe ich nicht auf meine Karte geschaut.

3. Ausrede: In der Gewissheit das ja alles super markiert ist, habe ich nicht wirklich aufgepasst, zwar jede Menge gedacht, aber keine Konsequenzen daraus gezogen.

Und so nahm alles seinen Lauf.

Voll motiviert stieg ich den Berg hoch, habe mich zwar wegen der Höhe gewundert, aber ich sagte ja schon keine Konsequenzen gezogen. Oben eine Hütte für Notfallübernachtung und Zwischenstopp. Da oben hatte es -4°C. Ich habe mich wärmer angezogen und was gegessen.

Was ich nicht gemacht habe?

Genau!

Auf die Karte geschaut und im Trockenen wäre es leicht möglich gewesen. Stattdessen stieg ich auf der anderen Seite wieder runter. Recht weit unten kamen mir Zweifel und das völlig zu recht. Ich war in der falschen Richtung unterwegs, bin auf einen Berg mit über 1000 Meter rauf und wieder runter gestiegen. Quer gehen um auf den richtigen Weg zu kommen ging nicht, mindestens 1 Schlucht lag dazwischen. Natürlich habe ich zu diesem Zeitpunkt auch kein Netz gehabt also bin ich wieder umgekehrt. Unten war das Wetter deutlich besser aber es half nichts.

Jetzt gab es auch Weitsicht

Mittag um kurz vor eins war ich dann wieder fast am Starpunkt.

Der Wegweiser, ich habe ihn falsch interpretiert

Hier habe ich dann mit Empfang gemerkt, ich hätte schon weitergehen können es wäre morgen halt eine 30km Strecke auf der Straße fällig gewesen. Im ganzen hätte es aber keinen Umweg bedeutet. Ärgern hilft nichts. Mein Plan bis zu der 1. Hütte zu gehen war natürlich schon längst obsolet. Die Originalroute war dann mal wieder das Gleiche wie in Norwegen. Matsch, Wasser und unwegsames Gelände weil teilweise überhaupt kein Weg da ist.

die Markierung zeigts, hier gehts lang, Weg ist keiner zu sehen

Diesen Weg gibt es erst das 3. Jahr und er verbindet mehrere kurze Teilstücke die schon lange existieren. So kann es halt sein, das man zwischendurch quasi querfeldein marschiert. Ich war gefrustet und müde und so lief es auch nicht rund und alles ging langsam. Nach knapp 10km nahm ich den ersten halbwegs brauchbaren Platz zum Zelten. Morgen sind es dann 20km bis zur Hütte ich hoffe das schaffe ich.

der Matsch, häufiger Begleiter
dafür gibt es Brücken und ich muss keine breiten Flüsse queren

denn

die unendliche Geschichte geht weiter. 4°C sind vorausgesagt mit Regen und Wind.

Von meinem Mann empfange ich dann ein hochsommerliches Gartenbild mit Schmetterling. Das lässt das Heimweh nach Sommer und Sonne unendlich werden.

Aufgeben gibts nicht, zumindest nicht jetzt. Noch hoffe ich einfach das es hier auch mal besser wird.

Ich war ja ganz allein verantwortlich für diese Misere und wenn ich noch Süßigkeiten hätte dann ….

für 10 Sekunden Sonne
Der Abendhimmel und inzwischen regnet es wieder

Das Positive, das Zelt ist dicht, ich stehe im Windschatten und habe einen warmen Schlafsack. Eigentlich geht es mir gut, ich denke nur nicht immer daran!

E1 von Göteborg zum Nordkap

80.81. Tag 16./17.7.22 Reisetage

Gestern bin ich bei strömendem Regen in Teveltunet losmarschiert, das hat mir den Abschied sehr erleichtert. Ein zweites Mal den Berg nach Storlien in Schweden hinauf und 3km die Straße entlang, da war am Samstag früh noch weniger los als am Montag. So viel ist passiert in den letzten 6 Tagen. Um halb zehn fuhr ich mit dem Zug nach Östersund. Dort war es zumindest trocken wenn auch stürmisch, sodass ich beschloss mir am Campingplatz eine kleine Hütte zu mieten. Auf dem Weg dahin kam ich auch an einer Bäckerei mit kleinem Mittagstisch vorbei. Ein Teller mit frischem Salat, Krabben und Feta stand auf der Tageskarte. Wer kann da schon widerstehen, ich nicht. Natürlich habe ich mir auch noch eine Zimtschnecke samt Kaffee gegönnt, so waren die 3km entspannte Zeit auf dem Weg zum Campingplatz. Ich war so gegen zwei Uhr da und gefühlt war er nur halbvoll. Bis zum Abend war dann rundherum alles vollgeparkt mit norwegischen Wohnwägen. Es scheint das norwegische Familien Urlaub in, aus Ihrer Sicht, preiswertem Schweden machen. Ein bisschen Obst und Joghurt im nahe gelegenem Supermarkt eingekauft, haben den Tag kulinarisch abgerundet. Den Rest des Tages verbrachte ich faul im Bett liegend und Hörspiele hörend. Auch den weiteren Tourverlauf habe ich genauer geplant. Heute morgen habe ich die Zeit bis ich die Hütte räumen musste ausgereizt und bin um 11 Uhr wieder Richtung Bahnhof gelaufen. An der Bäckerei konnte ich auch heute nicht vorbeigehen und es gab nochmal dasselbe Menü wie gestern. Um 14.30 Uhr fuhr der Bus und mit einmal umsteigen bin ich jetzt in Borgafjell gelandet. Der Busfahrer hat mich gefragt ob ich gleich loslaufen möchte. Als ich bejahte, meinte er ob ich schon wild auf die Begegnung mit den Bären wäre die es hier gibt. Als ich erzählte das ich vor nicht allzulanger Zeit 3 junge Bären gesehen habe, war er kurz sprachlos. Aber er bot mir an mich direkt am Startpunkt abzusetzen was mir 1,5km Straßenmarsch zurück erspart hat. Das hat dann auch noch ein junges Pärchen genutzt und so zelten wir am ersten brauchbaren Platz am Weg. Der Bus hat ja bis 19 Uhr gebraucht, drum war es für mich ganz okay mein Zelt schon nach 1,5km aufzuschlagen. Während der Fahrt habe ich sogar mal die Sonne und blauen Himmel gesehen. Hier am Ziel empfing uns dann aber leider ganz ganz leichter Nieselregen der mir morgen erhalten bleiben wird. Nicht desto Trotz bin ich froh auf einem ordentlichen Wanderweg unterwegs zu sein und endlich wieder loslegen zu dürfen. Das habe ich vermisst. Sind zwar 28km aber wenn alles glatt geht werde ich morgen auch in einer Hütte schlafen, da kann dann auch wieder alles trocknen. Ja und dann soll tatsächlich mal die Sonne ein wenig scheinen.

Unglaublich viele Waggons mit Holz am Bahnhof
Schwierig zu sehen, hier wird ein Fahrrad mit Gepäck in den Linienbus verladen. Eine Platte wir automatisch herausgefahren, das Rad dsamt Gepäck drauf gelegt und dann wieder eingefahren.
USB Anschluss an jedem Sitzplatz
einer samischen Unterkunft nachempfundennen Schutzhütte
mein Zeltplatz

die nahe gelegene Wasserquelle

Im Moment frischt der Wind gewaltig auf, aber der Platz liegt, so wie es ausschaut recht windgeschützt nur das Rauschen der Bäume hört sich wild an. Laut meiner Wetterapp soll sich eigentlich nicht viel tun, dann hoffen wir mal das das Wetter sich dran hält.