Europ. Fernwanderweg E1

95. Tag von Bellinzona nach Lugano

Die frühmorgendliche Stimmung in einer Stadt ist immer etwas Besonderes. Hier wurde für den Wochenmarkt aufgebaut. Sehr viele Selbstvermarkter, Bauern mit Käse, Wurst, weniger mit Gemüse. Leider kann ich nichts mitnehmen.

Dann muß ich das Tal wechseln, das heißt es geht über einen Berg. Nach zweieinhalb Stunden bin ich oben und muss als erstes durch ein Munitionsgebiet der Armee hindurch. Große Tafeln warnen vor dem Aufheben von Handgranaten und Ähnlichem. Aber die Markierungen sind eindeutig, es ist auch nichts abgesperrt. Weiter geht es auf der anderen Seite den Hang entlang. Richtig ungewohnt die Bergspitze jetzt hauptsächlich auf der rechten Seite zu haben. Tagelang war das anders. Die ganze Nacht hat es schon geregnet und ab dem späten Vormittag geht es weiter. Da wurde mir mal wieder bewusst wieviel Glück ich bis jetzt mit dem Wetter gehabt habe. In den letzten Wochen war nur mal ein kurzer Schauer dabei, aber stundenlanges starkes regnen blieb mir auf der Reise fast erspart. Tiefe Wolken versperren die Sicht.

Ja und dann taucht mal wieder ein Hinweis zu meinem Weg auf, das hat es auch schon viele Wochen nicht mehr gegeben.

Rekorverdächtige Anzahl an Höhenmetern sind zu bewältigen. Jeweils knapp 1400 auf und ab. Schwierig wurde es beim Abstieg nach Tesserete und Lugano. Eigentlich romantisch aussehenden Pflaster mit Kieselsteinen auf steinlen Abhängen, werden zu einer rutschenden Herausforderung.

Oben verändert sich die Landschaft. Viele aufgelassene Almen sind zu erkennen die Natur holt sich ihr Terrain wieder. Die Verbuschung ist je nach vergangener Zeit, mal mehr mal weniger, fortgeschrittenen. Hauptsächlich Birken wachsen hier. Deutlich niedriger und nicht so gerade wie unten in den Tälern.

Der erste Blick auf die Dörfer und Städte um den Luganer See.

Bis ich unten in Lugano bin scheint doch tatsächlich die Sonne.

Ich komme Italien näher, das ist deutlich spürbar.

Europ. Fernwanderweg E1

94. Tag von Biasca nach Bellinzano

Der gestrige Tag ist Vergangenheit heute ging esmit frischem Elan weiter. Nochmal die Zufahrt nach Biasca um von dort bis Bellinzano zu gehen.

Den Hang wieder zu sehen ruft gleich wieder ein flaues Gefühl im Magen hervor. Während des Wanderns vergeht es und ich genieße den Tag ohne große Anstrengungen. In diesem Talboden würde ich definitiv nicht wohnen wollen. Es hat zwar tolle Berge, am Fluss entlang einen richtigen wieder schön renaturierten breiten Grüngürtel. Aber das große Aber ist der Lärm, nicht nur Verkehr. Jede Menge Industrie hat sich angesiedelt bei der guten Verkehrsanbindung. Kieswerk, Steinbrüche und Logistik erzeugen jede Menge Staub und Lärm. Dann noch die Hubschrauber, einer fliegt immer. Granitblöcke hinauf für Straßen oder Befestigungen, abgeholzte Bäume hinunter zum Sägewerk. Heute hatte ich die Chance alles zu sehen, die Tage vorher habe ich alles meistens nur gehört.

Siesta unter der Fußgängerbrücke, Füße ins eiskalte Wasser tauchen und einer Wasseramsel beim Tauchgang zuschauen. Entspannung pur.

Bellinzano ist ein ausnehmend schönes Städtchen mit drei Burgen. Die größte steht mitten in der Stadt auf einem Felsblock. Die Dimensionen kann man nur von oben erkennen. Teile der Stadtmauer stehen auch noch und sind gleich mit integriert bzw. genutzt.

Es fällt nicht auf, aber da läuft quasi direkt über dem blauen Haus die zweigleisige Bahnlinie lang.

Fußgängerbrücke die auf der Stadtmauer aufliegt.

Da ist auch noch ein bisschen Erde nicht nur Fels. Gleich wird ein Weinberg mit Palmen drauf angepflanzt.