Europ. Fernwanderweg E1

94. Tag von Biasca nach Bellinzano

Der gestrige Tag ist Vergangenheit heute ging esmit frischem Elan weiter. Nochmal die Zufahrt nach Biasca um von dort bis Bellinzano zu gehen.

Den Hang wieder zu sehen ruft gleich wieder ein flaues Gefühl im Magen hervor. Während des Wanderns vergeht es und ich genieße den Tag ohne große Anstrengungen. In diesem Talboden würde ich definitiv nicht wohnen wollen. Es hat zwar tolle Berge, am Fluss entlang einen richtigen wieder schön renaturierten breiten Grüngürtel. Aber das große Aber ist der Lärm, nicht nur Verkehr. Jede Menge Industrie hat sich angesiedelt bei der guten Verkehrsanbindung. Kieswerk, Steinbrüche und Logistik erzeugen jede Menge Staub und Lärm. Dann noch die Hubschrauber, einer fliegt immer. Granitblöcke hinauf für Straßen oder Befestigungen, abgeholzte Bäume hinunter zum Sägewerk. Heute hatte ich die Chance alles zu sehen, die Tage vorher habe ich alles meistens nur gehört.

Siesta unter der Fußgängerbrücke, Füße ins eiskalte Wasser tauchen und einer Wasseramsel beim Tauchgang zuschauen. Entspannung pur.

Bellinzano ist ein ausnehmend schönes Städtchen mit drei Burgen. Die größte steht mitten in der Stadt auf einem Felsblock. Die Dimensionen kann man nur von oben erkennen. Teile der Stadtmauer stehen auch noch und sind gleich mit integriert bzw. genutzt.

Es fällt nicht auf, aber da läuft quasi direkt über dem blauen Haus die zweigleisige Bahnlinie lang.

Fußgängerbrücke die auf der Stadtmauer aufliegt.

Da ist auch noch ein bisschen Erde nicht nur Fels. Gleich wird ein Weinberg mit Palmen drauf angepflanzt.

Europ. Fernwanderweg E1

93. Tag von Cavagnago nach Biasca

Auch der Tag musste mal kommen.

Für mich der Schwerste bis jetzt, ich hoffe allerdings nicht auf eine Steigerung. Die Übernachtung in Cavagnago, ein Agritourismo. Für Wanderer mit Familienanschluss. Denn es gibt keine Einkehrmöglichkeit um Umkreis von mehreren Kilometern und dann kocht die Herrin des Hauses nicht nur für Familie und vier Angestellte sondern auch für mich mit. Super gutes Essen, leider kann ich kein italienisch und nur zwei Personen am Tisch ein wenig Deutsch. Aber wir haben es trotzdem geschafft uns zu verständigen.

Die Strada alta, der ich meistens folge, ist die Straße der schönen Aussichten. Wie einer Gedenktafel zu entnehmen, einem deutschen Intiator.

Seit Airolo denk ich jeden Abend, schlimmer wird es nicht mehr. Doch es ist immer noch eine Steigerung drin. Gestern gings sehr hoch hinauf und die Wege waren teilweise schmal, rutschig und unangenehm zu gehen. Heute gibt es fast kein Bild, denn ich war froh den Weg überhaupt geschafft zu haben.

Hier sind wenigstens noch Bäume und die Sicht ist nicht gar so frei. Aber später musste ich an freien Felsen rundherum, Wegbreite 50 cm. Mittendrin merkt man, umkehren ist keine Alternative. Das ist genauso schlimm wie weiter gehen. Die mentale Anstrengung war für mich, der solche Wege noch nie beschritten hat, enorm. Ordentlich Kopfweh war die Folge und mein Magen hat auch rebelliert. Eigentlich habe dann nur noch auf den jeweils nächsten Schritt aufgepasst. Kurz vor dem finalen Abstieg dann dieses Schild:

Die Straße der Räuberjagd, oder so ähnlich.

Irgendwann wird der Weg auch wieder leichter und ich habe mir geschworen unten bei der ersten Bar gibt es einen Espresso, Ouzo und was Kaltes zum Trinken.

Die Bar kam nach hundert Metern im Tal. Das ist ein Grappa, Ouzo kannte sie nicht und der Rest war so wie gewünscht.

Das war die Wand der ich entlang geschlichen bin, der Weg verlief auch ca. 1100 Metern Höhe und war ca. acht Kilometer lang und dauerte seine Zeit. Da geht es also weit runter und mir ist gleich nochmal schlecht geworden. So etwas will ich nicht mehr machen. Für die Geübten unter euch vielleicht kein Problem, aber um es auf bayrisch zu sagen:

Mia hods glangt

Zur Belohnung bin ich auch noch in den nächsten Supermarkt, ich brauchte Nervennahrung. Schokolade habe ich glaub ich die ganzen drei Monate nur einmal gegessen, jetzt gab es gleich ein Ladung Schokoriegel und Cranberries.

Inzwischen bin ich mit dem Bus nach Bellinzona gefahren, wo ich zwei Tage nächtige. Zu meiner Überraschung hat sich meine Arbnb Buchung als Hotel herausgestellt und ich habe es echt konfortabel abgeschieden. So langsam bin ich wieder hergestellt. Morgen geht es dann wieder zurück nach Biasca und ich wandere bis Bellinzona. Das sind laut Navigation nur neunzig Meter runter und dreißig rauf, das sollte unproblematisch werden. Außerdem habe ich mir vorgenommen nicht zu jammern, denn neben mir werden die Autobahn, die Gotthardstrasse, eine normale Straße, die Bahn und ein Fluß verlaufen. Lärm ist garantiert.