E1 von Göteborg zum Nordkap

42. Tag 8.6.22 von Brasjön nach Åsengården

Es gibt Tage auf die könnte ich gut und gerne verzichten. Heute ist so einer, zumindest die zweite Hälfte. Obwohl ich keinen ebenen Schlafplatz hatte, waren die Buckeln und Kuhlen perfekt gewählt und ich habe gut geschlafen. Nachts hatte es immer wieder geregnet, sodass mal wieder Morgengymnastik beim Abbau angesagt war. Gefrühstückt habe ich in der Windschutzhütte, heute früh blies er nicht direkt hinein, sodass sogar etwas Gemütlichkeit aufkam. Der Vorteil des Windes die Mücken sind weg. Allmählich werden sie zur Plage und beim nächsten Einkauf werde ich mir ein Gegenmittel besorgen. Einige Zeitlang waren die Wege ganz in Ordnung aber dann war wieder im dichten Wald der Sumpf mit massenhaftem Vorkommen der Stechbiester angesagt. An Schultern und Ellbogen bin ich schon ordentlich lädiert, da die auch durch das Merinoshirt stechen. Inzwischen hatten meine Füße ihren ganz persönlichen Pool in den Schuhen, bei jedem Schritt ein Glucksen und Schmatzen, denn ganze unter Wasser stehende Wiesen musdten gequert werden. Um elf fing es dann das Regnen an und zwar richtig. Eine Stunde später gesellte sich ein Gewitter dazu. Dieses Mal hatte ich Glück. Ich war 150 Meter entfernt von einer Pilgerkapelle. Mitten im Sumpf am See.

Über schmale, nasse und deshalb extrem glitschige Holzplanken zu laufen ist sowieso schon kein Spaß und mit Donnergrollen über mir erst recht nicht. Wie auf einem Schwebebalken bin ich mir vorgekommen. Ein Abrutschen und man steckt knietief im Morast.

Trotzdem war ich richtig dankbar für das Dach. Der Regen war dermaßen stark, das die Jacke nicht mehr komplett dicht gehalten hat und deshalb fängt man bei Stillstand recht schnell das Frieren an. Nach einer Viertelstunde war der Zauber vorbei und ich beschloss im 1,5km entfernten Campingplatz meinen heutigen Marsch zu beenden. Vorher musste ich noch den Berg rauf, da wurde mir wenigstens wieder richtig warm.

Der Ausblick aus der Kapelle

Oben am Berg dann der Campingplatz. Ich sah schon den Bagger arbeiten und in der Rezeption musste ich dann erfahren, dass kein Wasser zur Verfügung steht. Die Leitung war defekt. Ich würde wenn ich wollte trotzdem eine Hütte zum Sonderpreis und einen Kanister Wasser zum Kochen und Trinken bekommen. Das Angebot war alternativlos, denn es schüttete ja immer noch. Die Aussicht alles trocknen zu können war unwiderstehlich. Anschließend habe ich mir vor der Tür Hose, Jacke, Schuhe und Socken unter den interessierten Blicken des Baggerführers ausgezogen. Er hat dann echt gegrinst wie er gesehen hat, das ich meine Schuhe ausschütte und die Socken gleich noch unter der überlaufenden Regenrinne auswasche. Die Hütten haben ja immer einen elektrischen Heizkörper den ich dann mal gleich angeschaltet habe und die ersten Teile zum Trocknen drüber gehängt. Na ja, ohne Wasser bin ich halt wieder zum nahe gelegenen Bach um mich abzuwaschen, ist ja schon tägliche Routine. Denn ich bin am Ende des Tages schon ordentlich durchgeschwitzt und so dreckig mag ich mich nicht in den Schlafsack legen.

Nachdem ich jetzt schon 13 Tage keine Waschmaschine mehr zur Verfügung hatte ist die Sehnsucht nach richtig sauberer Wäsche übermächtig. Deshalb habe ich meine Tour umgeplant und werde morgen eine lange Etappe von 33km nach Mora gehen. Eigentlich wären das auf dem normalen Weg 3 Tagesetappen. Aber ich brauche jetzt endlich mal ein sauberes Gefühl. Dort werde ich mir einen Ruhetag gönnen und dann für 6 Tage einkaufen und mich vollschlagen. Ich kann inzwischen beachtliche Portionen verdrücken das schaffe ich sonst maximal an 2-3 Tagen. Außerdem werde ich mich auf Suche nach einem stufenlos verstellbaren Gürtel machen müssen, die Regenhose rutscht schon ziemlich und wird mehr vom Rucksack gehalten. Die normale Hose hat Klettstreifen zum enger stellen, das geht noch.

Zwischendurch hat es jetzt mal das Regnen aufgehört und hier noch Bilder von der grandiosen Aussicht

Morgen soll es nicht mehr regnen und so werde ich hoffentlich gut gesättigt loslaufen. Inzwischen ist Anja auch hier in der Hütte neben mir gelandet und wir bekommen ein Frühstück serviert und deshalb wird es bestimmt 9.00 Uhr bis ich wegkomme und den langen Marsch starte.

E1 von Göteborg zum Nordkap

41. Tag 7.6.22 von Ljusbodarna nach Brasjön

Noch ein paar Eindrücke der Umgebung meines Übernachtungsortes. Heute sind das meistens Ferienhäuser, früher mal landwirtschaftliche Betriebe. Heute liegen sie mitten im Wald weil die ehemaligen Felder nicht mehr bearbeitet werden. Ljusbodarna hat noch eine Sennwirtschaft die von der Provinz unterstützt wird, damit die mehrere Hundert Jahre alte Tradition nicht ausstirbt

Gleich in der Früh habe ich einen ortsansässigen Deutschen getroffen, der mir erzählen wollte das 300 Meter weiter vorne 3 Jungbären unterwegs sind. Ich habe ihm erzählt das ich die gestern Abend schon gesehen habe. Es war also nicht Mutter mit zwei Kindern sondern drei Jungtiere. Wie ich erzählte das ich auch keine ausgewachsene Bärin gesehen habe, meinte er das sie wahrscheinlich tot sei, denn normalerweise wäre sie schon noch mit ihren Jungen unterwegs. In der Provinz Dalarna leben mehrere Bären, sie sind scheu und laufen normalerweise schnell weg wenn sie auf Menschen treffen. Es gibt überhaupt keine Probleme im Zusammenleben zwischen Mensch und Tier. Sie wildern auch nicht bei den Schafen. Das gleiche gilt für die hier lebenden Wölfe. Das die Tiere erst so spät Reißaus nehmen liegt daran, dass keine Jagdsaison ist. Hier leben sogar Luchse. 4 Luchse dürfen an einem bestimmten Tag im März in der Provinz Dalarna geschossen werden. Da sind angeblich alle Jäger des Landes unterwegs. Jeder Abschuss muss sofort an eine Stelle gemeldet werden und meist ist das nach ein paar Stunden auch wieder vorbei. Manchmal werden von dem Lärm allerdings die Bären aus ihrem Winterschlaf geweckt. Zu diesem Zeitpunkt liegen aber 1-2m Schnee und da kann es schon mal Probleme geben weil sie nichts zu futtern finden aber sehr hungrig sind. Ansonsten hat er noch erzählt das er jeden Tag Elche sieht weil er auch viel mit den Hunden draußen unterwegs ist. Auf meine Feststellung hin, das in Schweden alles so sauber ist, kaum Müll rumliegt meint er, das die meisten schon sehr darauf schauen. Die Autofahrer allerdings oft einfach alles während der Fahrt aus dem Fenster werfen. Er sammelt im Frühjahr einmal einen bestimmten Straßenbereich ab und das wäre eben noch nicht so lange her. Auch er meinte ich hätte schon sehr viel Glück gehabt die Bären getroffen zu haben.

Natürlich hat er mich auch noch ausgefragt, aber dann kam ein Auto und er musste mit seinem Auto weiterfahren weil die Straße so schmal war. So war unser Gespräch dann abrupt zu Ende, war aber trotzdem netz ein bisschen was erfahren zu haben.

Ansonsten habe meine Beine die gestrige Einheit gut überstanden, allerdings war nach 23km auch Schluss weil ich doch etwas schlspp war und der Rastplatz akzeptabel. Det für Nachmittag angesagte Regen kam, aber viel war es nicht. Für morgen ist da mehr angesagt.

Blütenstaubmuster auf dem Wasser am Ufer

Verlaufen habe ich mich auch mal weil mich die Beschilderung im Kreis geführt hat. Das hat mich bestimmt eine Stunde und einiges sn Nerven gekostet.

Schaut schön und unspektakulär aus, leide alles Sumpf

Lange stehen bleiben um die bestmögliche, heißt den am wenigsten nassen, Weg zu erspähen ist nicht. Man sinkt unweigerlich immer tiefer. Alles muss flotten Schrittes gegangen werden und ist auf Dauer mega anstrengend. Am besten man stellt sich das Gehen wie auf den dicken Weichbodenmatten in der Turnhalle vor, so ähnlich fühlt sich das an.

In diesem Fall habe ich lieber die Steine zum Überqueren gewählt
das jetzt dchon traditionelle Bild vom See an dem ich zelte