E1 von Göteborg zum Nordkap

64./65. Tag 30.6./1.7.22 von Marenvollen nach Røros und Ruhetag

In der Früh bei blauem Himmel aufgewacht das hebt die Laune. Ziemlich viel Kondenswasser hat sich innen am Aussenzelt angesammelt in dem auch noch hunderte winzigster Insekten hängen. Da habe ich mein Innenzelt mal wieder extra abgebaut und alles draußen deponiert damit der Wind das Zelt trocknet. Gemütlich gefrühstückt und überraschenderweise sind fast keine stechenden Plagegeister unterwegs.

Ich konnte alles trocken verpacken und um sieben war Start. Irgendwie habe ich heute viel Schwung entwickelt trotz vieler Auf und Abs war ich flott unterwegs.

Buntes Läusekraut
Rechts vorne das Loch unter den Felsen das ist die erste Kupfermine 1645 entdeckt
durch einen Birkenhain
wieder hinauf mit weiten Blick nach Norden
angeblich 550t schwer und von der letzten Eiszeit beim Rckzug der Gletscher aus Schweden hier zurückgelassen

Der erste Blick auf Røros, die einzige Stadt in Norwegen mit Bergbau Tradition. Nach der Entdeckung 1645 haben sie sich einen Deutschen zum Aufbau einer Mine geholt. Zuerst wurde Kupfer später auch Chrom abgebaut. Das letzte Bergwerk schloss 1971. Jetzt ist alles Unesco Weltkulturerbe.

Die großen Halden gehören dazu
Steine aus der Nähe, vielfältiger als es von weitem den Anschein hat
Lagerplatz für alte Baumaterialien
berühmte Kirche, eine der Größten in Norwegen, gestiftet von der Minengesellschaft
nur geschlichtet zur Anschauung

Vereinbarungsgemäss habe ich mich bei meiner Ankunft in Røros bei Leila gemeldet. Bin die Hauptstraße mit den Häusern der damals sehr betuchten Minenbetreibern hnunter geschlendert und dann im Supermarkt einkaufen gegangen. In der Zwischenzeit hat Leila sich mit der Frage meines Standorts bei mir gemeldet und fünf Minuten später waren sie und ihre Tochter da. Ihr Hotel lag direkt neben dem Supermarkt. Wir haben mein komplettes Equipment im Auto verstaut und sind in die Stadt hoch gelaufen wo die anderen zwei die die Tour abbrechen mussten auf uns gewartet haben. Ich wurde zum Essen und trinken eingeladen.

von links nach rechts Leila, ihre Tochter Stine, Merethe und Stine

Wir verbrachten einen unglaublich vergnüglichen und unterhaltsamen Nachmittag. Inzwischen trau ich mich ja einfach auf englisch loszureden, obwohl ich es im Vergleich zu ihnen nicht besonders kann. Aber wir kamen wunderbar zurecht und sie waren so interssiert und wissbegierig. Wir hatten viel Spaß miteinander.

ich durfte mir mein Essen aussuchen und natürlich wollte ich am liebsten frischen Salat unf bekam Bier aus Røros spendiert

Mir wurde der Fahrdienst zum Campingplatz versprochen, immerhin 3km und so habe ich mir auch ein Bier gegönnt. Es schmeckt wie Pils und das mag ich ja gerne. Weil wir uns alle so gut verstanden und es sich im Sonnenschein gemütlich saß, gab es auch noch eine zweite Runde Bier. Nach 3h war Schluss mit der Sonne und wir verabschiedeten uns und Leila fuhr mich noch vor die Haustür der Rezeption. Eine wirklich tolle Begegnung und ich bin froh das sich unsere Wege gekreuzt haben. Natürlich versprachen sie mir alle meinem Blog zu folgen und sich ab und zu zu melden. A

Abends un der Küche traft ich noch einen Deutschen der mit dem Rad in 30 Fahrtagen zum Nordkap fährt. Auch wir hatten einen regen Austausch über Route, Equipment, Qualität und Gewicht unserer Ausstattung. Nachdem es ja nicht dunkel wird übersieht man einfach die Zeit und es war schon echt spät bis ich ins Bett kam. Ich habe mir ein Zimmer am Campingplatz genommen, ist einfach erholsamer und kostet nicht mal ein Drittel eines Hotelzimmers.

Eigentlich wollte ich ja früh zur Stadtbesichtigung starten, aber erst mal hats geregnet. Auf das habe ich natürlich keine Lust und so bin ich erst um halb zehn los.

Darüber zu gehen ist extrem wackelig. Die Brücke hat allein vom starken Wind schon geschwungen
Die Prachtstrasse, die meisten Häuser stehen unter Denkmalschutz
Innenhöfe
Tolle Baukunst, sie sind ja mehrere hundert Jahre alt
Königsloge in der Mitte
Steinstützen zum Ausgleich des Gefälles und hier sind wir an einem der kältesten Orte Norwegens, Schnee gibt es auch reichlich

Am Schluss habe ich mich noch für die nächsten 8 Tage mit Proviant versorgt und so kann ich morgen, bei vorausgesagtem Regen frisch erholt starten.

E1 von Göteborg zum Nordkap

63. Tag 29.6.22 von Ljøsnåvollen nach Marenvollen

Beim Start am morgen ist der Himmel trüb und grau. Die halbe Nacht habe ich schlecht geschlafen. Ständige Gedanken um die schwierigen Wege und das Wissen das ich solche Verhältnisse nicht lange durchhalten werde können. Das erste Mal habe ich Sorgen das es zu viel wird und Gedanken an ein mögliches Aufhören schleichen sich ein. Da passt der Himmel zu meiner Stimmung. Kurz sehe ich Leila und Stine und wir erzählen uns das wir alle um 9.00 Uhr im Bett waren weil uns der gestrige Tag so geschafft hat. Dann gibts auch noch Schwierigkeiten beim Bezahlen und die zwei wollen mir die Übernachtung unbedingt schenken. Ich bin dermaßen gerührt das mir einfach die Worte vor lauter Dankbarkeit fehlen. Eine Geste die mir das Herz erwärmt aber zu den Zweifeln der Nacht irgendwie passt. Wir stellen fest das sich unsere Wege hier trennen und verabschieden uns herzlich.

Na ja, aber erstmal gehe ich los und versuche den Tag positiv anzugehen. Ich weiß das es 28km bis zur nächsten Hütte sind die ich schaffen will damit ich in Røros viel Ruhezeit habe. Erstmal ändert sich nicht viel, jede Menge Sumpf, Steine, Felsen und Mücken und die beißenden Verwandten die Knotts. Ich habe die Weste an damit ich am Körper etwas Ruhe vor ihnen habe. Irgendwie haben es von den kleinen Tieren gestern welche unter das Unterhemd geschafft und Bauch und Rücken schauen wie ein Streuselkuchen aus. So langsam geht meine Salbe gegen das Jucken zur Neige und Nachschub erhalte ich erst in gut zwei Wochen. Es passt halt alles zusammen wenn man emotional in einem Loch hängt.

Wieder ein ähnliches Bild
Eine Verbindung von einem See zum anderen
Später lese ich das das zur Bergbaugeschichte von Røros gehört
Orchideen im Sumpf

Nach etwa 9 km kommt dann plötzlich ein Spazierweg daher.

knapp 2km pure Erholung für Körper und Geist
und danach 3km lang diese Straße

vorbei an Fliegenfischern, hier ist einiges los

Das wäre eine Übernachtungsmöglichkeit, aber das waren bis dahin erst 12km.

Das hier ist jetzt Gebiet wo die südlichsten Samen ihr Winterquartier mit ihren Rentierherden beziehen. Deshalb die Straßenanbindung und viel offene und halboffene Flächen. Im 17./18. Jahrhundert waren das Weideflächen und Bauernhöfe zur Versorgung der Minenarbeiter in Røros.

Dann gehts den Berg hinauf aufs Fjell und so langsam klart der Himmel auf und die Sonne lässt sich blicken und das hebt die Stimmung beträchtlich.

Am Berg oben wird nicht nur der Blick zurück möglich sondern auch der Blick nach vorne tut sich auf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Fantastische weite Aussichten und auch die Felsen und großen Steine lasse ich hinter bzw unter mir.

an diesen Seen bin ich am Vormittag lang gewandert
Der Blick nach unten

Ich bin immer wieder überrascht das genze Hänge nass und sumpfig sind. Man sollte doch meinen das Wasser fließt nach unten und oben wäre es etwas trockener.

unscheinbarer Fußabdruck

Aber, ich habe bestimmt eine Slapstickeinlage hingelegt. Es gab nämlich keinen Untergrund und ich bin mit dem einen Fuß bis zum Knie in Zeitlupe eingesunken. Da helfen Stöcke nichts mehr und ich habe mich schön langsam komplett auf die Seite gelegt. Es ist alles nass und weich, weh habe ich mir nicht getan. Der Rucksack tut sein Übriges und ich musste erst mal schauen das ich da wieder rauskam. Rucksack abschnallen und dann auf allen vieren versuchen sich zu befreien. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie ich ausgeschaut habe. Zu diesem Zeitpunkt war die Sonne schon da und es ist alles recht schnell trocken geworden und der Torf bröselt dann von allein ab, Dreck ist keiner übrig geblieben und ich sah danach noch menschlich aus.

Drei lange An -und Abstiege mit Flussüberquerungen waren zu meistern. Aber trotz dieser Anstrengungen, das sind Herausforderungen die ich meistern kann. Die Selbstachtung steigt mit dem Sonnenstand und die grandiose Landschaft tut ihr Bestes .

leider bringen Smartphoneaufnahmen das nicht so richtig zur Geltung

Aber dieser Anblick hat mich regelrecht geflasht. Vorbei waren Sorgen und Selbstzweifel und obwohl immer noch 8km zu gehen waren, war ich glücklich das erleben zu dürfen, einfach unbezahlbar und ich bin bestimmt eine Viertelstunde in der Sonne im Wind gesessen und habe den Anblick bei einer Tasse Kaffee genossen. Da oben gibt es die lästigen Mücken auch nicht mehr.

Ich habe dann beschlossen das ich auf jeden Fall draußen im Zelt essen und schlafen will und nicht in einer Hütte gehe. Dieses Gefühl der Freiheit wollte ich mir erhalten.

Ich habe tatsächlich einen trockenen Platz an einem kleinen Bach gefunden.

Es kommt nicht so rüber, aber kurz neben meinem Zelt war ein Abhang und ich saß beim späten Abendessen wie auf der Bühne eines Amphitheaters mit der Landschaft im Halbrund vor mir
eingehüllt in Regenjacke gegen die Mücken habe ich das Wolkenschauspiel genossen

Dann hatte ich auch noch kurz Empfang von Nachrichten. Leila und Stine hatten sich über meinen Blog gemeldet und wollten mir in Røros unbedingt ein Essen spendieren.

Ein Tag mit unglaublichen Emotionen hat ein Ende genommen und obwohl ich fast 11h gebraucht habe und echt müde und geschafft war, war ich einfach nur zufrieden und glücklich.

Das ist jetzt einmal ein sehr persönlicher Eintrag in meine Gemütsverfassung geworden, aber es läuft nicht immer alles so leicht dahin.