Insgesamt mit dem notwendigen Einkauf waren es 35km. Bisher meine längste Etappe. Aber ich hatte mich ja darauf eingestellt und obwohl einige Abschnitte durchaus anspruchsvoll vom Untergrund waren habe ich alles gut überstanden. Allerdings wollen meine Füße für heute ihre Ruhe. Wir haben ein reichhaltiges Frühstück serviert bekommen und deshalb auch viel Zeit damit verbracht, sodass ich erst kurz nach 9.00 Uhr wegkam. Dafür hatte ich aber auch den ganzen Tag keinen Hunger mehr.
Kurz vor Gesunda kam ich an einem interessanten Ort vorbei und die 84 jährige Besitzerin konnte so gut Deutsch das wir uns bestimmt eine halbe Stunde unterhalten haben. Sie und ihr Mann haben das alles aufgebaut und genießen die Gespräche mit vorbeikommenden Wanderern oder Fischern die an dem Weiher angeln dürfen und den Fang nach Gewicht bezahlen. Sie hat seit 70 Jahren eine Brieffreundin in Saarbrücken deshalb kann sie so gut Deutsch. Immer noch besuchen sie sich gegenseitig dieses Jahr kommen sie nach Schweden. Schon beeindruckend wie fit sie geistig noch ist, der Körper macht seit einem Radunfall vor 3 Jahren nicht mehr so richtig mit.
Ihr Mann ist der Baumeister und Künstler
Ansonsten blieb ich von Sumpf fast verschont was auch mal angenehm war. Warmes Wetter mit vielen Wolken ideal für den heutigen Plan.
Hinten ist Mora und im Vordergrund der Silijansee zu erkennenDie noch guten alten Balken wurden wiederverwendet Interessant, Birkenrinde als Werkstoff gegen aufsteigende Feuchte, nehme ich an. Das habe ich heute bei vielen Häusern gesehen
Für mehr Fotos war keine Zeit, so viel Muße wie sonst habe ich mir beim Fotomotiv suchen nicht genommen. Das leidet dann ein bisschen wenn das Laufen den Tag bestimmt.
Meine heiß ersehnte Dusche habe ich ausgiebig genossen und morgen wird gewaschen und Mora besucht.
Ich wohne in einer 4,5qm winzigen Hütte, aber es reicht. Zum Kühlschrank komme ich nur mit einer Trittleiter und den Kopf habe ich mir natürlich auch schon bei dieser nicht sehr hohen Tür angestoßen. Die Schwelle ist 40cm hoch, da muss man schon aufpassen.
Es gibt Tage auf die könnte ich gut und gerne verzichten. Heute ist so einer, zumindest die zweite Hälfte. Obwohl ich keinen ebenen Schlafplatz hatte, waren die Buckeln und Kuhlen perfekt gewählt und ich habe gut geschlafen. Nachts hatte es immer wieder geregnet, sodass mal wieder Morgengymnastik beim Abbau angesagt war. Gefrühstückt habe ich in der Windschutzhütte, heute früh blies er nicht direkt hinein, sodass sogar etwas Gemütlichkeit aufkam. Der Vorteil des Windes die Mücken sind weg. Allmählich werden sie zur Plage und beim nächsten Einkauf werde ich mir ein Gegenmittel besorgen. Einige Zeitlang waren die Wege ganz in Ordnung aber dann war wieder im dichten Wald der Sumpf mit massenhaftem Vorkommen der Stechbiester angesagt. An Schultern und Ellbogen bin ich schon ordentlich lädiert, da die auch durch das Merinoshirt stechen. Inzwischen hatten meine Füße ihren ganz persönlichen Pool in den Schuhen, bei jedem Schritt ein Glucksen und Schmatzen, denn ganze unter Wasser stehende Wiesen musdten gequert werden. Um elf fing es dann das Regnen an und zwar richtig. Eine Stunde später gesellte sich ein Gewitter dazu. Dieses Mal hatte ich Glück. Ich war 150 Meter entfernt von einer Pilgerkapelle. Mitten im Sumpf am See.
Über schmale, nasse und deshalb extrem glitschige Holzplanken zu laufen ist sowieso schon kein Spaß und mit Donnergrollen über mir erst recht nicht. Wie auf einem Schwebebalken bin ich mir vorgekommen. Ein Abrutschen und man steckt knietief im Morast.
Trotzdem war ich richtig dankbar für das Dach. Der Regen war dermaßen stark, das die Jacke nicht mehr komplett dicht gehalten hat und deshalb fängt man bei Stillstand recht schnell das Frieren an. Nach einer Viertelstunde war der Zauber vorbei und ich beschloss im 1,5km entfernten Campingplatz meinen heutigen Marsch zu beenden. Vorher musste ich noch den Berg rauf, da wurde mir wenigstens wieder richtig warm.
Der Ausblick aus der Kapelle
Oben am Berg dann der Campingplatz. Ich sah schon den Bagger arbeiten und in der Rezeption musste ich dann erfahren, dass kein Wasser zur Verfügung steht. Die Leitung war defekt. Ich würde wenn ich wollte trotzdem eine Hütte zum Sonderpreis und einen Kanister Wasser zum Kochen und Trinken bekommen. Das Angebot war alternativlos, denn es schüttete ja immer noch. Die Aussicht alles trocknen zu können war unwiderstehlich. Anschließend habe ich mir vor der Tür Hose, Jacke, Schuhe und Socken unter den interessierten Blicken des Baggerführers ausgezogen. Er hat dann echt gegrinst wie er gesehen hat, das ich meine Schuhe ausschütte und die Socken gleich noch unter der überlaufenden Regenrinne auswasche. Die Hütten haben ja immer einen elektrischen Heizkörper den ich dann mal gleich angeschaltet habe und die ersten Teile zum Trocknen drüber gehängt. Na ja, ohne Wasser bin ich halt wieder zum nahe gelegenen Bach um mich abzuwaschen, ist ja schon tägliche Routine. Denn ich bin am Ende des Tages schon ordentlich durchgeschwitzt und so dreckig mag ich mich nicht in den Schlafsack legen.
Nachdem ich jetzt schon 13 Tage keine Waschmaschine mehr zur Verfügung hatte ist die Sehnsucht nach richtig sauberer Wäsche übermächtig. Deshalb habe ich meine Tour umgeplant und werde morgen eine lange Etappe von 33km nach Mora gehen. Eigentlich wären das auf dem normalen Weg 3 Tagesetappen. Aber ich brauche jetzt endlich mal ein sauberes Gefühl. Dort werde ich mir einen Ruhetag gönnen und dann für 6 Tage einkaufen und mich vollschlagen. Ich kann inzwischen beachtliche Portionen verdrücken das schaffe ich sonst maximal an 2-3 Tagen. Außerdem werde ich mich auf Suche nach einem stufenlos verstellbaren Gürtel machen müssen, die Regenhose rutscht schon ziemlich und wird mehr vom Rucksack gehalten. Die normale Hose hat Klettstreifen zum enger stellen, das geht noch.
Zwischendurch hat es jetzt mal das Regnen aufgehört und hier noch Bilder von der grandiosen Aussicht
Morgen soll es nicht mehr regnen und so werde ich hoffentlich gut gesättigt loslaufen. Inzwischen ist Anja auch hier in der Hütte neben mir gelandet und wir bekommen ein Frühstück serviert und deshalb wird es bestimmt 9.00 Uhr bis ich wegkomme und den langen Marsch starte.