Europ. Fernwanderweg E1

81. Tag von der Schattenmühle über Konstanz nach Märstetten

Grüezi!

Seit heute 13.30 Uhr bin ich in der Schweiz.

Nach dem Frühstück in der Schattenmühle, die heißt im übrigen so weil im Winterhalbjahr die Sonne nicht in das tief eingeschnittene Tal bis zu dem Gasthaus und Sägewerk vordringt, ging es los. Zweimal Bus und einmal Zug, alles klappte problemlos und zwei Stunden später war ich in Konstanz.

Nach Espresso, Eis und Mittagessen und diversen Erledigungen marschierte ich zur Grenze.

Niemand interessierte sich für mich und so unauffällig kann eine EU Grenze überwunden werden.

Grüezi!

Ja, so werde ich praktisch von jedem begrüßt der mir begegnet seit ich Kreuzlingen verlassen habe.

Zumindest heute begegnen mir in der Schweiz nur nette Leute.

Dieses Haus ist erst zwanzig Jahre alt, auch wenn das anders ausschaut.

Das erzählte mir die Tochter aus Bern, die hier bei ihren Eltern zu Besuch weilt. Der Ausblick zu diesem Haus, genauso pompös.

Hier bin ich in der ersten Woche auf dem Schwabenweg das ist gleichbedeutend mit der Via Jacobi dem Pilgerweg, unterwegs. Deshalb werde ich auch öfter angesprochen, ob ich denn pilgere. Genau das wollte ich ja nicht. Ich spreche dann immer von der langen Wanderung.

Aber der Weg ist sehr präsent und bekannt. Es gibt auch an vielen Orten eine Pilgerherberge und in so einer übernachte ich heute auch.

Was bei der Ankunft einen echten Aha-Effekt auslöste. Ich war es bis heute gewohnt als Gast oder Kunde der etwas fordert oder erwartet, behandelt zu werden. Man wird begrüßt, sagt seinen Namen und schon kommen ganz geschäftsmässig die vorbereiteten Erklärungen und die Schlüssel.

Hier fühlte ich mich als Ankommende. Ehrliche, herzliche Freude über mein Erscheinen. Ehrenamtliche die diese Herberge schon seit vielen Jahren betreuen, hegen, pflegen und in Schuß halten. Zu guter Letzt auch ein Dienstplan mit Telefonnummer die der Suchende anrufen kann, damit ihm die Tür aufgesperrt wird. Eine Bank die das Warten angenehm verkürzt. Keine großen Annehmlichkeiten erwarten einen, aber ein Bett, Küche und Bad sind vorhanden. Ich habe Glück und bis jetzt sind wir nur zwei, sodass jeder ein Zimmer hat.

Ein altes Haus mit einer wechselvollen Geschichte.

Auch solche Straßen sind möglich. Nicht immer ist der Autofahrer der Wichtigste.

Ansonsten eine kurze unauffällige, wenn auch leider auf vielen Straßen verlaufende, Etappe mit ein paar schönen Ausblicken.

Wenn mal jemandem von euch Lesern langweilig sein sollte, kann er/sie ja auch so ein Event organisieren.

Noch ein paar Eindrücke aus Märstetten.

Europ. Fernwanderweg E1

80. Tag von Blumberg nach Schattenmühle

Ja, da war ich letzten Freitag schon einmal und das heißt

Ich habe es geschafft!

Durch Deutschland bin ich durch.

In Blumberg ging es bei Regen los. Gleich mal steil bergab in die Wutachschlucht. Deren Name leitet sich aus der wütenden Ach ab. Ein Fluß mit einer hohen Fließgeschwindigkeit. Die Schlucht, teilweise sehr eng und ein wahres Naturschauspiel.

Unterwegs traf ich Andre und Markus. Trailrunning ist ihre Leidenschaft. Erst wurde ich von Andre überholt und ein kurzes Gespräch über die Bastelbranche in der er tätig ist führte dazu, das sein Partner der immer langsamer ist, uns auch einholte. Die beiden hatten es eilig und so waren sie schnell außer Sicht. Nach einiger Zeit traf ich sie an einem Felsvorsprung, der als Tisch genutzt wurde, beim Brotzeit machen. Natürlich wurde ich eingeladen. Zum Probieren gab es selbst gemachte Hartwurst von einem ungarischen Freund. Super lecker. Ein Gespräch über Griffe und Stöcke fürs Trailrunning und Wandern sowie über unsere sportlichen Aktivitäten und Pläne schloss sich an. Mit der Feststellung : Es ist Mittag und wir haben erst 20km wurde die Brotzeit beendet. Sie hatten mindestens noch einmal so viel vor sich. Morgen geht’s dann für die zwei auf den Feldberg. Sehr sportlich.

Die Schlucht wird auf ihrer ganzen Länge nur zweimal von Straßen durchkreuzt. Also hört und sieht man eigentlich keine Fahrzeuge. Endes des 19. Jahrhundert gab es mal einen Kurort der von den Engländern betrieben wurde im Tal, an der einzigen breiten Stelle. Bad Boll existiert nicht mehr, ein kleines Kirchlein steht noch. Inzwischen gehört alles dem Land Baden Württemberg.

Die Gewitter der letzten zwei Tage haben hier zu Hagel geführt. Zwei Haufen von Hagelkörner lagen immer noch unter einem Felsvorsprung.

An den Bildern seht ihr, es liegen extrem viel grüne Blätter auf dem Boden und viele Pflanzen entlang des Weges waren total zerfetzt oder platt gedrückt.

Alles war noch feucht und glitschig und teilweise gar nicht so leicht zu gehen. Am Ende des Tages war ich auf jeden Fall geschafft.

Bei der hohen Luftfeuchtigkeit wächst das Moos auch oben auf den Bäumen.

Morgen unternehme ich noch einmal die gleiche Fahrt wie letzte Woche nach Konstanz.