von Hemavan zum Nordkap

45. Tag 1.9.23

von der Brücke bis zum See Biggejavri

In der Früh gleich mal der Supergau, die Schnalle vom Hüftgurt des Rucksack bricht. Nach langem Suchen finde ich das abgebrochene Stück und versuche alles mit dem superstarken Klebeband zu fixieren. Es hält tatsächlich und ich muss nur sehr vorsichtig damit umgehen.

Der Tag lehrt mich mal wieder, dass wandern im hier und jetzt passiert. Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes. Stürmischer Wind von Norden der bis Mitternacht immer stärker werden wird und ab Mittag mit Regen für den dann das Gleiche gilt. Der Weg war nochmal einfach, weil die Schotterstrasse weiterführt. Bei dem Gegenwind wars trotzdem super anstrengend.

die Vegetation färbt sich herbstlich

Eigentlich bin ich seit Kautokeino hin und hergerissen zwischen der Freude so weit gekommen zu sein und einem regelrecht unwirklichen Gefühl das schon an Rührseligkeit grenzt. Ich weiß gar nicht recht ob ich mich freuen soll.

Ich komme noch vor dem Einsetzen des Regens am See Biggejavri an und suche verzweifelt einen einigermaßen windgeschützten Platz. Wirklich ganz gelingt es nicht. Ich kann auch noch Wasser holen und dann bricht das Unwetter herein. Starke Böjen und dazu der Regen. Die Gewissheit, zu diesem Zeitpunkt war es erst 14.00 Uhr, dass das erst der Anfang ist beruhigt mich nicht gerade. Die Böjen lassen die Plane flattern und so hänge ich einige Haken vom Innenzelt aus damit die nasse Aussenplane das Innenzelt nicht auch nass macht. Ja und so verbringe ich Stunde um Stunde liegend im Schlafsack, ängstlich horchend ob die Zeltstange oder die Plane hält. Etwa gegen 18.00 Uhr denke ich, das Zelt wird standhalten und lenke mich ein wenig mit Podcast hören ab. Tatsächlich wurde es ab Mitternacht leichter und in den frühen Morgenstunden ist der Spuk vorbei. In solchen Situationen bleiben keine Freiräume für Gedanken, da spielt sich alles in diesem Augenblick ab. So habe ich es mal wieder auf die harte Tour erfahren, mir nicht zuviele Gedanken zu machen.

Man sieht es nicht richtig. Sitzen kann ich nicht mehr im Zelt weil der Himmel abgehängt ist und ich habe den Schlafsack mit Regenjacke und großer Mülltüte so gut es geht abgedeckt. Ich habe auch meine komplette Kleidung zum Wandern an, damit ich bereit bin wenn das Zelt doch nachgeben sollte. Alles andere ist verpackt. Zum Essen kochen war keine Zeit mehr und im geschlossenen Zelt ist es nicht möglich den Gasbrenner in Betrieb zu nehmen. So habe ich mich mit Plätzchen und Nüssen begnügt, viel Hunger hatte ich eh nicht bei der Aufregung.

Aber alles ist trocken geblieben und irgendwann habe ich sogar geschlafen.

Auf diese Aufregung hätte ich gut verzichten können, aber es ist geschafft und das verleiht mir wieder meine innere Ruhe und Kraft.

von Hemavan zum Nordkap

44. Tag 31.8.23

Von Kautokeino zur Brücke über den Roavotjohka

Der gestrige Ruhetag hat mir gut getan. Die Füße waren von mehr als einem Tag in vollkommen nassen Socken und Schuhen etwas lädiert und die Haut war teilweise etwas offen. Die Schuhe sind auch erst gestern Abend wieder wirklich trocken geworden. Trotzdem bin ich etwas in Kautokeino spazieren gegangen, ohne Rucksack auf dem Rücken, richt komisches Gefühl. Eine Gaskartusche habe ich dem echt gut sortierten kleinen Sportladen auch erhalten, jetzt sollte ich mich bis zum Ende der Wanderung mit warmem Mahlzeiten und Getränken versorgen können.

Kirche von Kautokeino
der alte Friedhof, die Gräber sind mehr als 100 Jahre alt
der Neue schaut dann standardmäßig aus, allerdings sind die Grabsteine höchstens 50/60cm hoch

Kautokeino ist auf jeden Fall das Zentrum der Samen und besondere architektonische Gebäude sind zu bestaunen. Überhaupt wird viel gebaut, scheint ein lebendiger Ort zu sein. Sie haben Platz und die Abstände zwischen den Bauten sind oft riesig. Ganz ungewohnt für mich.

Eine alte Sprungschanze ist auch noch da, schaut aber eher unbenutzt aus.

Samische Universität
Gerade im Bau, das samische Nationaltheater

Die Markierung war heute nicht vorh4, was aber fast keine Probleme bereitete. Fast die ganze Zeit verlief die Route über einen Schotterweg. Zur Abwechslung mal ganz entspannt und dann war ich halt auch schon um kurz nach zwei fertig mit der Tagesetappe und habe es mir gegönnt nicht mehr weiter zu gehen. Die Einteilung für die nächsten Tage passt einfach zu gut.

Der Weg schaute fast nur so aus
der einzige Wegweiser und dann einer zum E1, dieses Jahr der Erste
hier habe ich dann das erste Mal auf dieser Tour meine Schuhe und Socken ausgezogen, es war zu tief und außen rum gabs keine Möglichkeit trockene Schuhe zu behalten

Ich musste ein kurzes Stück auf der E45 über eine Brücke gehen. Schon von weitem war Stimmwngewirr zu hören und auch wenn ich erst nichts verstanden habe, der Tonfall war unverkennbar. 3 ITALIENER mit den Rädern auf dem Weg zum Nordkap. Auch wurde ich lautstark mit Ola, ola von ihnen begrüßt, sie sind einfach ein besonderer Menschenschlag und das südliche Temperament zaubert einem ein Lächeln ins Gesicht.

Außer einem kurzen Regenschauer ein trockener und entspannter Wandertag