von Tarifa nach ...

44. Tag 24.3.25 bis zum Berg Cerro Secanillo

Auch das ist nur ungefähr, ich bin mitten in den Bergen auf 1270 Metern Höhe.

Heute den ganzen Tag Sonnenschein, ich müsste nachschauen wann das das letzte Mal vorgekommen ist. Egal ich genieße es auch wenn es nicht warm ist. Da geht mir einfach das Herz auf und schöner kann wandern nicht sein. Hier treffe ich urplötzlich auf Wegweiser des Mozarabischen Jakobsweges. Das erleichtert die Orientierung ungemein, bis jetzt wurde ich nicht verwöhnt in dieser Hinsicht. Es geht hinauf in die Berge, die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada sind ganz nah.

Der Blick zurück, da bin ich die letzten Tage durchgekommen
Passstraße erst runter dann rauf, es ist praktisch kein Verkehr, sonst wäre es auch gefährlich
Der Ort La Peza

Von oben sieht man, er liegt am Berg, erst unten merkt man dann wie steil es wieder rauf geht, ich muss nämlich bis zur Ruine und danach noch weiter hoch. Hier haben sie sogar ein kleines Pilgerbüro und beim Einkaufen werde ich gefragt ob ich auf diesem Weg unterwegs bin. Ganz was Neues diese Nachfragen. In dem winzigen Laden ist auf jeden Fall alles da was Wanderer gerne mögen. Das ist selten.

Ausblick von der Ruine, den Weg in der Mitte des Bildes von ganz oben bei dem rotbraunen Felsen bin ich runter gegangen
Die Gebäude unter diesen Dächern werden genutzt, kaum vorstellbar

Einen ebenen Platz in den Bergen zu finden, der sich auch weiter weg von grasenden Schafherden befindet, gestaltet sich schwierig. Die Herden werden nämlich von Hunden bewacht. Normalerweise sind die nicht wahnsinnig aggressiv wenn man einen großen Bogen schlägt, aber schlafen mag ich da nicht. So ganz ohne Nachwirkungen ist mein Erlebnis mit den wilden Hunden nicht geblieben. Es dauert immer eine Weile bis ich in Ruhe im Zelt sitze und ich horche schon lange auf Hundegebell. Allerdings bleibt mir keine andere Alternative. Wenn ich mich nicht mehr trauen würde, müsste ich das zelten aufgeben, denn irgendetwas ist ja immer. Also heißt es durchhalten und mit der Zeit wird es schon wieder besser werden. Ich komme ja demnächst wieder weiter in den Norden, da ist die Situation hoffentlich etwas anders.

von Tarifa nach ...

43. Tag 23.3.25 bis Los Banos

Der Tag beginnt zwar kalt aber mit weißblauem Himmel und einem im Vergleich zu den letzten beiden Tagen, lauen Lüftchen. Wie ich einer weiteren Infotafel entnehmen kann, ist dieses Gebiet, in dem ich seit zwei Tagen unterwegs bin, tatsächlich eine der wenigen natürlichen Wüsten Europas.

Der Ausblick von Plateau beim Turm

ganz hinten an der Kante ist das Ende der Wüste erreicht
da geht es dann auch erst mal wieder runter

Da unten fühle ich mich gar nicht so wohl. Man kommt sich vor wie in einem Labyrinth. Ohne Sonne weiß man gar nicht in welcher Richtung man unterwegs ist und hat auf dem Weg der sich zwischen den hohen Bergen dahinschlängelt kein Gefühl für den momentanen Standort.

Erst wie es nach einer guten Stunde wieder raufgeht bin ich überrascht wie weit ich gekommen bin. Ich kann den Turm von vorhin noch gut erkennen.

Ist wahrscheinlich auf dem Bild nicht zu erkennen
auch den Speichersee an dem ich unten lang gelaufen bin, sehe ich erst jetzt
mitten im Nirgendwo eine Wallfahrtskirche mit 25 unterirdischen Räumen
das Ende der Wüste kommt endlich näher

Das letzte Bild des Tages, am frühen Nachmittag komme ich in Benalua an und möchte mir einen Kaffee genehmigen, aber die Maschine ist defekt. Erst im nächsten Ort klappt es dann. Ab da regnet es dann in Strömen, es schüttet regelrecht. Mit soviel Regen hatte ich nach der Vorhersage gar nicht gerechnet und nach einiger Zeit war mir klar, mit dem Zelten wird das nichts mehr. Für diese Sturzflut bin ich nicht ausgerüstet. Unter der Autobahnunterführung habe ich dann nach einem Hotel in der Nähe gesucht. Der Touchscreen vom Handy mag bei der Nässe auch nicht ohne Probleme und es war mit der Bedienung gar nicht so leicht. Eigentlich hat die Entfernung von nur noch 5km und der günstigste Preis den Ausschlag gegeben und ich habe gebucht. Es hat so gegossen, dass ich nicht mehr dauernd auf das Display schauen konnte und so habe ich erstmals die Navigation eingeschaltet. Völlig durchnässt kam ich dann an, mittlerweile im Schneetreiben. Erstmal bin ich sogar vorbei gelaufen, das Navi war da überfordert, weil ich das edle 4* Hotel ohne Namen, er war nirgends angeschrieben, gar nicht als mein Ziel erkannte. Naja, irgendwann habe ich es dann schon noch gemerkt und bin in die riesige Lobby tropfend einmaschiert. Der Herr am Empfang trugs mit Fassung und bemitleidete mich bei meinen Versuchen mit steifgefrorenen Fingern die Rucksack schnallen zu öffnen. Wie kalt meine Hände waren habe ich tatsächlich erst da gemerkt. Irgendwann waren die Formalitäten erledigt und nach einer Dusche und trockener Kleidung ist die Welt auch gleich wieder in Ordnung.

Angeblich ist das jetzt der letzte schlechte Tag in nächster Zeit gewesen, ich bin gespannt ob hier der Frühling endlich Einzug hält.