von Tarifa nach ...

18. Tag 26.2.25 von Riogordo nach Ventas de Zafarraya

Heute kein Stress, brauchts ja auch nicht.

Erst mal lange bergauf, hinauf bis zum Fuße der Sierra del Cabrero, ein Gebirgszug mit Bergen bis zu 1200 Metern. Mein Weg führte ca auf 900 Meter daran entlang. Ich hatte teilweise atemberaubende Ausblicke und einen Blick teilweise bis ans Mittelmeer und auf Málaga, glaube ich zumindest.

Hinauf zum Gebirge durch steile An -und Abstiege durch Olivenhaine. Im Moment werden die Bäume zugeschnitten und das Jaulen der Motorsägen war weiterhin hörbar.

Uralte Exemplare
Obstbäume stehen oft am Rand der Plantagen
Oft durchziehen Wasserschläuche die Plantagen, viele werden bewässert

Aber auch heute, Wasser läuft in Flußbetten fast gar nicht und die Gräben von den Bergen herab sind alle trocken. Sie leiden hier massiv am Klimawandel.

Ganz hinten am Horizont Malaga und das Meer, ob die Auflösung das erkennen lässt, kann ich mit dem Handy nicht beurteilen
Bewundernswert wie der Baum hält und lebt
Mitten in der Landschaft steht dieser Bogen

Die meiste Zeit marschierte ich also entlang der Plantagen und dachte, dass es heute kein Problem mit einem Zeltplatz geben würde. Weit hinten bin ich vom Weg aus nicht sichtbar.

Ungefähr eine Stunde hatte ich diese phantastische Aussicht und war so ins Gehen vertieft, dass ich auf einmal in Zafarraya ankam. Schlagartig war’s mit dem Grün vorbei und steile Felsen umrahmen das Städtchen. Keine Aussicht auf einen Platz zum Zelten und zurück gehen wollte ich auch nicht. Es war auch schon nach 16Uhr, da ist maximal noch eine Stunde Zeit und die reicht definitiv nicht um weit genug raus aus der industriellen Umgebung zu kommen. So bin ich heute, eigentlich ungewollt in einer Ferienwohnung gelandet. Superschön und mit Pelletofen. Vor diesem sitze ich jetzt, gemütlicher geht es kaum. Die Vermieterin hat auch für einige Leckereien im Kühlschrank gesorgt.

Aufwändiger Dachüberstand und dann dieses Tor
Eisenbahn nach Malaga gab es bis 1960

Kaum zu glauben das das die Originalschienen sein sollen, maximal 30cm breit

Zusätzlich Marmelade, Butter und Brote. Schokolade am Tisch

Ich glaube die paar Orangen werden reichen😉

von Tarifa nach ...

17. Tag 25.2.25 bis nach Riogordo

Ein Tag wie ich ihn nicht oft brauche, wenn er geschafft ist, dann aber doch ein zufriedenes und dankbares Gefühl hinterlässt.

Eigentlich ging’s schon am späten Abend los, ein stürmischer Wind kam auf und das Zelt wackelte ab und zu bedenklich. Es war also eine eher unruhige Nacht. Aber alles hat gehalten und ich wurde wieder mit einem tollen Sonnenaufgang belohnt. Eigentlich sind es die dreißig Minuten bevor die Sonne zu sehen ist, die am schönsten sind.

Immer noch stürmisch und eiskalt

Es ist also am 17. Tag meiner Reise die Premiere , dass ich mit Vlies -und Regenjacke, Stirnband und Buff losmaschiere.

Die Vliesjacke kann ich nachmittags ausziehen, alles andere bleibt

Erst mal etwas runter vom Berg, die Nacht verbrachte ich auf etwas über 900 Meter. Dann in diversen Schleifen unter der Autobahn durch. Das war fast 1km bis ich auf der anderen Seite war. Dann kam wieder mal eine Tafel über den Weg den ich gehe. Er teilt sich ab hier in eine nördliche und südliche Variante. Ich nehme die Südliche.

Autobahn Unterquerung
Die Natur holt sich ihren Platz zurück

Dann begannen die Schwierigkeiten. Der Weg führte über eine Kuhweide. In Spanien ist es durchaus üblich das der Stier mit den Damen auf die selbe Weide darf. Bei meinem Anblick stand er erst mal auf und zeigte mir seine volle Aufmerksamkeit. In der Hinsicht bin ich ein Feigling und ich beschloss allen aus dem Weg zu gehen und stieg den Hang hinauf. Auf der Karte sah ich schon, dass ich wenn ich weit genug hoch ging, nach einiger Zeit wieder auf den ursprünglichen Weg treffen würde. Allerdings waren da oben auch noch viele Kühe unterwegs und nicht immer wollten sie mir Platz machen. Der Hang war leider voller Stechginster und Ilex, also eine echt stachelige Angelegenheit. Wie ich dachte das ich jetzt wieder langsam abwärts gehen könnte, stellte es sich heraus , das da eine Felskante war und ich mich noch weiter durch das Gestrüpp schlagen musste. Irgendwann war es dann aber vorbei und ich traf auf den originalen Weg.

das grüne Dach ist der Stall, also gut zu erkennen wie weit ich oben war
Von unten schaut der Hang harmlos aus

Weiter oben kam die nächste Schwierigkeit. Ich hatte es auf der Karte schon gesehen, dass der Weg aufhört und gut 100 Höhenmeter weiter oben wieder weiter geht. Ich habe mir auch noch die Daten des andalusischen Tourismusverbandes runtergeladen, die das mit einem großen Schwenk über die Bergkette gelöst haben. Ich wollte mir das in Natura ansehen und dann entscheiden.

Komoot, OSM Karte

Dort angekommen beschloss ich, mir selbst einen Pfad den Berg hinauf zu suchen. Das klappte wieder Erwarten super, das haben wohl schon mehrere so gemacht und es war der Hauch eines Trampelpfades vorhanden.

Ich komme mir hier schon ab und zu wie im hohen Norden bei den Rentieren vor, dort ist das ganzeLand mit Wildtierzäunen abgegrenzt, hier ist es aber auch oft so.

Letztendlich gab es doch eine kleine Übersteighilfe

Ich dachte ja, jetzt wären die Schwierigkeiten erledigt. Leider war das nicht so. Ihr denkt dran, da oben über 1100 Meter, der Wind kommt von hinten und und ich kann mich kaum auf den Beinen halten so stark stürmt es. Ab jetzt war kein Weg mehr da und ich navigierte mich, mit meinem Handy in der Hand abwärts. Über Stock und Stein, Stechginster und Zäune und diverser anderer Unsäglichkeiten. Bestimmt zwei Stunden bis ich endlich wieder auf eine Schotterstraße kam. Selten war ich so froh wieder auf ein Zeichen von Zivilisation zu treffen.

Das nächste Problem kam mit der Wasserknappheit. Überall sieht man die fast leeren Speicherbeckem und die Bäche sind alle ausgetrocknet. Ich hatte gestern schon 4,5l Wasser gekauft, aber das war abzusehen das das knapp wird, eigentlich sollte es bis morgen reichen.

Ich kam schließlich auf eine geteerte Passstraße, je nach Serpentinenrichtung blies der Wind von vorn. Ich kam dann fast nicht vorwärts. So langsam ging mir die Kraft aus.

Die Markierung des Tages, mehr gab es heute nicht, der windschiefe Pfosten falls ihr euch nicht sicher seid

Von da ab ging’s bergab, der Wind praktisch immer im Rücken. Es war allerdings wieder so steil, dass mir schon klar war, es wird schwierig mit einem ebenen , windgeschützten und abgeschiedenen Plätzchen. Am Himmel zeigte sich hinter mir ein Regenbogen

Hä, es soll doch gar nicht regnen

Dann sah ich auf einmal tief drunten eine Ortschaft. Kurze Trinkpause, Internetempfang klappt, ja es gibt dort einen Supermarkt und ein kleines erschwingliches Hotel. Kurz entschlossen gebucht und runter im Laufschritt, der Regen war zu spüren.

Jetzt sitze ich zu später Stunde frisch geduscht, Kleider gewaschen und mit frischen Lebensmitteln voll geschlagenem Bauch und schreibe diesen ausführlichen Bericht. Im Zelt wäre der deutlich kürzer ausgefallen.

Ich glaube das Bett habe ich mir echt verdient und die Erholung wird mir gut tun. Zwichendurch war ich wirklich kaputt und fertig, aber geschafft ist geschafft!

HURRA