von Tarifa nach ...

20. Tag 28.2.25 bis 3km nach Jayena

Glück und Pech liegen oft nah beisammen. Ich glaube so ist dieser Tag am treffendsten beschrieben.

Kalt war es heute morgen , laut Laut App 5 °C. Mit dem Wind war es bestimmt gefühlt noch kälter. Aber kein Problem, ich bin ja einigermaßen abgehärtet. Der heutige Plan sah vor, in einem kleinen Örtchen auf meinem Weg nach circa 8 km Wasser und etwas Proviant zu besorgen, da morgen keine Einkaufsmöglichkeit besteht und sonntags die meisten Geschäfte dann zu haben. Heute habe ich wahrscheinlich die ersten Gipfel der Sierra Nevada erblickt, zumindest waren sie schneebedeckt.

Rein theoretisch ganz hinten mittig

Auch interessant, wie hier jedes OlivenBäumchen in einem tiefen Loch steht.

Der Ort Arenas del Rey liegt an einem riesigen Stausee, theoretisch. Davon, das ist schon von Ferne zu sehen ist nicht viel übrig.

Das was hier immer blüht sind Mandelbäume, keine Obstbäume

Der Ort wirkte wie ausgestorben und nichts hatte offen bzw. war nicht vorhanden.

das schönste Gebäude neben dem Rathaus, ist in vielen Dörfern so

Also einmal tief durchatmen, überlegen und Internet zu Rate ziehen. Wenn ich meine Route umplane könnte ich auf kürzerem Weg als vorgesehen durch zwei Orte kommen wo ich, sogar vor 14.00 Uhr da wäre. Denn auf den Dörfern ist dann für 3h Siesta und erst um 17 Uhr wird wieder geöffnet. Mein neuer Weg führte jetzt entlang des Sees und da wurde es noch deutlicher wie wenig Wasser er enthielt. Man kann sehen, dass der See und die Infrastruktur auch auf eine touristische Nutzung ausgelegt wurden. Aber alles ist ausgestorben, verfällt oder steht leer. Auch jede Menge Gemüseanbau hat es zeitweise gegeben. Nur die Ruinen sind zu sehen. Zumindest ist alles aufgeräumt und nicht in einem so desolaten Zustand wie das Gebiet gestern.

Deutlich zu sehen, mehrere Meter fehlen

Der nächste Ort Fornes, zeigte ein sehr ähnliches Bild. Obwohl viele Neubauten zu sehen sind, der einzige winzige Laden hat zu. Inzwischen ist mir klar, rechtzeitig vor der Mittagspause schaffe ich es nicht mehr bis nach Jayena. Bei nochmaliger Recherche taucht dann auf einmal bei den Öffnungszeiten der Hinweis auf den andalusischen Feiertag auf. Ja, tatsächlich der ist heute und alles hat zu. Jetzt wirds dann kritisch, denn irgendwie brauche ich für morgen und übermorgen zur Hälfte Wasser. Für heute reicht mein Vorrat. Ich schaue natürlich auch nach Bars und Tankstellen. Zumindest eine Bar soll es in Jayena geben und ich hoffe einfach mal das die offen hat.

Diese hier taucht in Maps nicht als Bar auf

Aber die vielen Autos vor der Tür schüren schon von Ferne die Hoffnung auf eine offene Tür. Wie ich eintrete, dann fast ein Schock, unglaublich laut und brechend voll, viele Leute mit Essen und noch mehr Alkohol vor sich.

Echte Erleichterung macht sich in mir breit und ich bestelle mir Cafe Solo, frittierten Tintenfisch mit Pommes, natürlich eine grande Portion und zwei große Flaschen Wasser. Das selbige gibt es nie im Glas, sondern immer in den Verkaufsformen wie im Supermarkt. In diesem Fall also je 1,5l., das reicht mir dann bis Sonntag Mittag.

Währenddessen fängt es ordentlich zu regnen an und ich überlege ob ich mir in der Bar nicht ein Zimmer nehmen soll, zumindest steht das so am Eingang das das möglich ist. Dann denke ich mir wieder, jetzt regnet es einmal und dann tät ich gleich klein beigeben, also das geht doch nicht.

Nach einer viertel Stunde ist aber schon alles vorbei und ich mache mich doch auf den Weg. Das nasse Wetter bleibt mir jetzt erst mal ein paar Tage erhalten. Aber es regnet ja nicht den ganzen Tag.

Nach 3km sehe ich ein Hinweisschild auf einen Zeltplatz, also sowas wie für Wohnmobile ohne Infrastruktur. Das ist super, denn hier ist Naturparkgebiet und da will ich eigentlich nicht wild zelten. Also schaue ich mir das an und finde eine versteckte Ecke die mir zusagt.

Also das war jetzt der meist glückliche Teil.

Pech muss heute noch mehr sein! Ich habe mir vorhin einen Bügel von meiner Brille abgebrochen. Ohne sie bin ich nicht blind aber lesen kann ich nichts mehr. Im Moment ist er mit einem Klebeband notdürftig fixiert , aber das geht natürlich nicht besonders gut.

Da kommt jetzt meine allerbeste Basisstation, mein Mann zum Einsatz. Er wird mir meine eigentliche Brille per Express an ein Hostel, das ich gestern schon in Granada gebucht habe, schicken. Gestern habe ich mir nämlich schon überlegt , zwei Tage in Granada zu verbringen. Ich komme Sonntag an eine überregionale Straße und von dort mit öffentlichem Verkehrsmittel nach Granada. Ich brauche mal wieder einen Ruhetag, eigentlich auch Gas zum Kochen und eine Waschmaschine. So dachte ich gestern das dieses Zentrum es auch wert ist mal länger zu besuchen. Ich wollte bis Mittwoch bleiben. Jetzt stellt sich also heraus, das das noch einen zusätzlichen Nutzen (Glück!😉) hat.

Inzwischen regnet es wieder, aber jetzt sind wir wieder beim Glück. Kochen brauche ich ja nicht mehr und ich sitze im Trockenen.

Morgen geht es auf über 1300 Meter hinauf, schauen wir mal wie das wird, hoffentlich trocken und nicht zu windig. Auf der Höhe bläst es meist ordentlich, das hätte ich in Spanien nicht erwartet.

von Tarifa nach ...

19. Tag 27.2.25 von Ventas de Zafarraya bis 4 km hinter Alhama de Granada

Schwierige Ortsangabe wenn ich mitten im Nirgendwo auf 1100 Metern Höhe zelte.

Die gestrige Entscheidung im Ort zu übernachten war richtig gewesen. Es hätte sich so schnell nichts gefunden.

Am Ende des Ortes begegnete mir zum ersten Mal der spanische Gemüseanbau, oder was davon im Süden nach 4 Jahren Dürre noch übrig geblieben ist.

Ich habe jetzt eine ganz Zeit überlegt, ob ich so deprimierende Bilder zeigen soll. Aber nicht immer ist alles eitel Sonnenschein und beeindruckende Landschaftsbilder erhaltet ihr auf diesem Blog genug.

Es fällt in Spanien auf, Pfand auf Plastikflachen und Aludosen gibt es nicht. Demzufolge liegt wahnsinnig viel am Straßenrand und in Zivilisationsnähe.

Aber die Bauern setzen noch eins drauf.

Die ganzen Schläuche für die Bewässerung der Felder werden ja genau auf Länge abgeschnitten und die Reste bleiben überall liegen. Alle ehemaligen Transportkisten kaputt oder nicht, Kunststoffschnüre und Folien alles liegt rum. Auf den aufgegeben Feldern bleibt der ganze Plastikmüll liegen , ein einziges Grausen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich nach heute, wenn ich nicht noch andere Zustände sehe noch spanisches Gemüse kaufen kann. Unsäglich deprimierend.

Mindestens 5km ging das so, zur Ehrenrettung muss gesagt werden, in Stadtnähe gab es auch ansehnliche Felder, sie waren aber in der Minderheit

Heute war es dann auch endlich soweit. Bei der Planung hatte ich öfter mal gelesen, dass Hunde auch mal frei rumlaufen. Bis jetzt bin ich an solchen Exemplaren immer noch mit viel Geschrei und Stockeinsatz vorbei gekommen. Heute war damit Schluss. Dreimal musste ich einen weitläufigen Umweg gehen, die waren einfach zu groß und angriffslustig. Von den jeweiligen Besitzern habe ich noch nie jemanden gesehen geschweige denn gehört.

Die Bauern haben normalerweise 3-4 Hunde, einige dürfen frei hinter Zäunen ( was bin ich manchmal froh das sie sich hier so abschotten) rum bellen und wie wild an den Zäunen hochspringen. Einer hängt meist an einer nicht mehr als drei Meter langen Kette, das sind die Ärmsten und die führen sich noch wilder auf und einen Zwinger mit Bewohner ist auch noch am Grundstück. Meist sind es große Hunde und ein kleiner Kläffer ist auch noch dabei.

Gefühlt hat jeder Grundstücksbesitzer mindestens einen Hund. Oft bemerken sie mich erst wenn ich schon da bin, dann erschrecken wir alle zutiefst. Sobald aber einer bellt sind die Umliegenden Herrschaften alle dabei sich lautstark zu melden, was dann eher besser für mich ist, weil ich dann schon weiß wo noch einer steckt.

Aber nachdem ich alle Höfe hinter mir hatte, ging’s und die Hügel und danach in einem Tal abwärts. Da blühten schon viele Obstbäume und Blumen, die Vögel zwitscherten aus voller Kehle, eine echte Wohltat.

Eigentlich hätte die Originalroute nicht nach Alhama de Granada geführt, aber ich wollte noch Wasser kaufen und so kam ich in diesen beeindruckenden Canyon.

Eine echte Bausünde
Rückblick

Hoch hinaus auf über 1100 Meter liegt mein Übernachtungsplatz. Hier wird noch ganz normale Landwirtschaft mit Wiesen, Oliven -und Obstbäumen betrieben.

Ausblick vom Zelt

Die nächsten Tage soll es dann immer wieder regnen, mal schauen wie das hier ausschaut.