von Hemavan zum Nordkap

46. Tag 2.9.23

Vom See Biggejavri bis 4km hinter Masi

Das war mein Zeltplatz
der See Biggejavri von oben

Vom See ging es hinauf aufs Fjäll das jetzt immer farbenfroher wird.

Die Weite ist atemberaubend.  Zwischendurch verliere uch die Markierungen oder finde keine mehr. Da bin ich froh um die geplante Route in der App und ich finde mich einigermaßen zurecht beim querfeldein gehen. Irgendwann stoße ich auf eine Quadspur der ich dann folge. Das ist zwar nicht der richtige Weg, aber die Richtung stimmt in etwa.  Sie führt zur Landstraße 93 und ich muss sagen,  dass ich äußerst ungern an großen Straßen entlang gehe.  Ich lese öfters,  dass einige Wanderer da lang gehen,  weil es leichter zu gehen ist.  Für mich ist das Stress pur. Hauptsächlich sind Wohnmobile unterwegs und nicht immer weichen sie aus, wenn dann noch links und rechts Leitplanken stehen ists mit meiner Ruhe dahin. Das Stück ist leider nicht zu umgehen,  weil es nur diese Brücke über den riesigen Fluss Mazejohka gibt. Ich bin heilfroh wie ich ins Dorf nach Nasi abbiegen kann und dort praktisch kein Verkehr mehr herrscht. In dem Ort will ich zum letzten Mal einkaufen und bekomme etwas Stress weil ich merke,  dass der kleine Supermarkt nur noch eine Stunde offen hat. Da hätte ich auch vorher wegen der Öffnungszeiten schauen können, aber ich bin es so gewöhnt, daß hier jeden Tag offen ist, aber in so einem kleinen Ort natürlich nicht. Ich habe es noch geschafft und vor der Tür wurde ich sogar noch zu einem Stück samischen Kuchen und Kaffee eingeladen.

noch ein breiter Fluss
der Himmel vor meinem Zelt um 18.00 Uhr
Jetzt, um 19.00 Uhr wirds kalt, dafür ist der Himmel wolkenlos und die Sonne sendet ihre letzten Strahlen

Was für ein Unterschied zu gestern, warm eingepackt sitze ich gemütlich vor dem Zelt und esse Kekse, trinke meinen heißen Kakao und schreibe. Wohlfühlen gehört auch dazu!

von Hemavan zum Nordkap

45. Tag 1.9.23

von der Brücke bis zum See Biggejavri

In der Früh gleich mal der Supergau, die Schnalle vom Hüftgurt des Rucksack bricht. Nach langem Suchen finde ich das abgebrochene Stück und versuche alles mit dem superstarken Klebeband zu fixieren. Es hält tatsächlich und ich muss nur sehr vorsichtig damit umgehen.

Der Tag lehrt mich mal wieder, dass wandern im hier und jetzt passiert. Die Wettervorhersage verheißt nichts Gutes. Stürmischer Wind von Norden der bis Mitternacht immer stärker werden wird und ab Mittag mit Regen für den dann das Gleiche gilt. Der Weg war nochmal einfach, weil die Schotterstrasse weiterführt. Bei dem Gegenwind wars trotzdem super anstrengend.

die Vegetation färbt sich herbstlich

Eigentlich bin ich seit Kautokeino hin und hergerissen zwischen der Freude so weit gekommen zu sein und einem regelrecht unwirklichen Gefühl das schon an Rührseligkeit grenzt. Ich weiß gar nicht recht ob ich mich freuen soll.

Ich komme noch vor dem Einsetzen des Regens am See Biggejavri an und suche verzweifelt einen einigermaßen windgeschützten Platz. Wirklich ganz gelingt es nicht. Ich kann auch noch Wasser holen und dann bricht das Unwetter herein. Starke Böjen und dazu der Regen. Die Gewissheit, zu diesem Zeitpunkt war es erst 14.00 Uhr, dass das erst der Anfang ist beruhigt mich nicht gerade. Die Böjen lassen die Plane flattern und so hänge ich einige Haken vom Innenzelt aus damit die nasse Aussenplane das Innenzelt nicht auch nass macht. Ja und so verbringe ich Stunde um Stunde liegend im Schlafsack, ängstlich horchend ob die Zeltstange oder die Plane hält. Etwa gegen 18.00 Uhr denke ich, das Zelt wird standhalten und lenke mich ein wenig mit Podcast hören ab. Tatsächlich wurde es ab Mitternacht leichter und in den frühen Morgenstunden ist der Spuk vorbei. In solchen Situationen bleiben keine Freiräume für Gedanken, da spielt sich alles in diesem Augenblick ab. So habe ich es mal wieder auf die harte Tour erfahren, mir nicht zuviele Gedanken zu machen.

Man sieht es nicht richtig. Sitzen kann ich nicht mehr im Zelt weil der Himmel abgehängt ist und ich habe den Schlafsack mit Regenjacke und großer Mülltüte so gut es geht abgedeckt. Ich habe auch meine komplette Kleidung zum Wandern an, damit ich bereit bin wenn das Zelt doch nachgeben sollte. Alles andere ist verpackt. Zum Essen kochen war keine Zeit mehr und im geschlossenen Zelt ist es nicht möglich den Gasbrenner in Betrieb zu nehmen. So habe ich mich mit Plätzchen und Nüssen begnügt, viel Hunger hatte ich eh nicht bei der Aufregung.

Aber alles ist trocken geblieben und irgendwann habe ich sogar geschlafen.

Auf diese Aufregung hätte ich gut verzichten können, aber es ist geschafft und das verleiht mir wieder meine innere Ruhe und Kraft.