von Hemavan zum Nordkap

60. Tag 16.9.23

Einen Tag Hurtigruten gönne ich mir noch. Ich wollte Norwegen nicht verlassen ohne noch etwas von der Küste gesehen zu haben. So bin ich gestern mit dem Bus vom Nordkapp nach Storbukt auf einer spektakulären Passstraße entlang der Küste gefahren. Heute morgen um sechs war Abfahrt in Honningsvag. Man kriegt ja beim Buchen keinerlei Angaben wo man sich einzufinden hat, nur das man am besten 20 Minuten vor Abfahrt da sein soll. Über Google ist dann ja leicht rauszufinden wo die Hurtigruten ablegen. Zu sehen ist das nirgends nur das das ein Schiffsanlegeplatz da ist. Kein Gebäude oder Schriftzug… In vielerlei Hinsicht sind sie echt lässig, die Norweger. Bei allerschönstem Wetter starte ich. Auch drinnen alles unkompliziert. Die Gangway rauf ( keiner frägt irgendwas), drinnen ein kleiner Tresen, dort gibt man seinen Namen an, ohne Ausweis versteht sich und schon hat man sein Plastikkärtchen und kann sich frei auf dem Schiff bewegen und niemand interessiert sich mehr für einen. Ab Hammerfest bewölkt es sich zusehends und auch der Seegang wird spürbar. Meine Fahrt geht bis Mitternacht nach Tromsö und morgen mit Flugzeug und Bahn nach Hause. Die Deutschen sind auf jeden Fall eine relevante Reisegruppe, die Sprachen für die Durchsagen werden auf norwegisch, englisch und deutsch durchgeführt.

MS Wirth
der Panoramaraum
Hammerfest
Øksfjord

Ja und so endet mein Abenteuer Nordkapp auf dem europäischen Fernwanderweg E1. Norwegen wird mich wohl wiedersehen, einfach ein phantastisches Land mit ebensolcher Landschaft. Solange es mir gesundheitlich noch möglich ist, solch anspruchsvolle Wege zu schaffen.

Ankommen im Alltag nach so langen Auszeiten ist immer schwer. Ist einfach ein Zwiespalt zwischen der Freude Familie und Freunde wieder um sich zu haben und eigentlich niemandem so richtig verständlich machen zu können was man erlebt hat- da fehlen einfach die Worte.

Für mich ist die Sehnsucht nach langen Wanderungen wohl auch zur Sucht geworden. Für diejenigen die von diesem „Virus“ nicht befallen sind, ist es schwer nachvollziehbar.

Bedanken möchte ich mich bei allen die mich begleitet haben, auf welche Weise auch immer. Rückmeldungen sind das Rückrat. Zu wissen das andere an einen denken, mitfiebern und mitleiden gibt Kraft und Energie. Das Wissen zu Hause wartet jemand macht das Fortgehen erst möglich.

Mal schauen was kommt und wie immer gilt

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von Hemavan zum Nordkap

59. Tag 15.9.23

An das Nordkap

In der Früh um kurz vor sieben mache ich mich mit ungewohnt leichtem Rucksack auf den Weg. Ich beende damit eine unruhige Nacht, einmal weil bis Mitternacht die Straße, die direkt an meiner Hütte vorbeiführt, geteert wird und weil das Ziel so nahe ist.

da bin ich auf jeden Fall die erste Fußgängerin auf der frisch geteerten Straße
der erste Wegweiser

Ich habe mit Bedacht die frühe Startzeit gewählt, einmal damit hoffentlich wenig Autos unterwegs sind, ich hoffe das an der Weltkugel noch nicht viel los ist und ich viel Muße für den Aufstieg und auch für die Zeit oben, habe. Nachmittags um kurz nach zwei fährt der einzige Bus abwärts, den ich nehmen möchte um in der Nähe von Honningsvag zu übernachten.

In langgezogenen Kurven geht es hinauf

Insgesamt gehe ich noch 480 Meter nach oben. Der äußerste Norden ist bergig.

der Parkplatz für die Wohnmobile bzw Autos kommt in Sicht

Auf der ganzen Strecke begegnen mir etwa 40 Autos und bestimmt 70% mit deutschem Kennzeichen.

Ich habe mir extra Zeit gelassen und die langsam wärmer werdende Sonne genossen, war aber trotzdem nach etwas über 3h oben.

Ich hatte wirklich viel Zeit zu fotografieren bzw verschiedenste Leute gefragt ob sie Fotos machen. Ich habe mir immer die ausgesucht die mit großer Kameraausrüstung da waren. Die haben einfach einen besseren Überblick.

Es war schon sehr emotional. Es schaut warm aus aber 8 Grad und ein eisiger Wind beendeten meine Ausdauer. Ich besuchte die Halle mit Ausstellungen, Souvenirshop und Café. Natürlich ein wenig Ausstausch mit der Familie und Freunden Ansonsten wollte ich die Zeit aber in Ruhe für mich haben. Im Laufe des Vormittags trafen dann auch Reisebusse unf mehr Leute ein, aber kein Vergleich mit Touristenmagneten in Bayern. Alles recht beschaulich.

Ich war ja eigentlich darauf gefasst, aber es breitete sich einfach eine Leere in mir aus, die auch gar nicht gefüllt werden musste. Es war gut so wie es war. Die Wehmut setzte erst bei der Abfahrt ein. Ich werde meine Zeit brauchen um alles zu verarbeiten.

Der Abschluss- oder Anfangsstein, je nachdem

Ich habe auf dem E1 inzwischen 5200km in drei großen Wanderungen zurückgelegt. Irgendwie eine tolle Vorstellung von Land und Leute verbindenden Wegen die jeder nutzen kann.

Auch morgen wird es noch einen Bericht über die Rückreise geben.